Chuzpe

Im Duden wird Chuzpe definiert als Unverfrorenheit, Dreistigkeit, Unverschämtheit. Bei Wikipedia heisst es zum gleichen Stichwort: „intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit“.

Wenn wir diese Tage nach Duisburg blicken, dann wird die Wörter „intelligent“, „charmant“ und „unwiderstehlich“ kaum mit Oberbürgermeister Adolf Sauerland in Verbindung bringen. Das er aber über ein gehöriges Maß an Chuzpe verfügt, lässt sich kaum bestreiten.

Wie sonst will man erklären, dass der Mann immer noch nicht seinen Rücktritt eingereicht hat. Ein OB, der zur Symbolfigur für die Verantwortungslosigkeit geworden ist, mit der die Loveparade 2010 trotz erheblicher Bedenken in Duisburg veranstaltet wurde – 21 Menschen bezahlte dafür mit ihrem Leben.

Um laut Gemeindeordnung ein Abwahlverfahren gegen Sauerland einzuleiten, wäre in Duisburg 55.000 Unterschriften nötig gewesen. Unterschrieben haben 79.000 Bürgerinnen und Bürger – mehr Stimmen als die, mit denen Sauerland gewählt worden ist. Nicht wenige Politiker sind in der Vergangenheit spätestens an solchen Punkten, wo der Meinung sich ganz klar gegen sie gerichtet hat, zurück getreten. Sauerland dagegen bleibt trotzig im Amt.

Dabei geht es längst nicht mehr um Schuld. Auf den Rücken der Toten stehend wird nur auf die eigenen Pensionsansprüche geschaut. Würde Sauerland vor der Ratssitzung, die am 12. Dezember stattfindet, zurücktreten, würde das seine Pensionsansprüche schmälern. Nach der Ratssitzung hat er eine Frist von sieben Tagen, um sein Amt niederzulegen und das kostspielige Abwahlverfahren überflüssig zu machen. Durch den Rücktritt zu diesem Zeitpunkt würde er den vollen Pensionsanspruch haben.

Ob Sauerland dann wirklich zurücktreten wird oder aber drauf baut, dass seine Abwahl scheitert, lässt sich schwer sagen. Unverfroren sind beide Varianten auf jeden Fall.

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