Scheinriese Buchpiraterie

Bereits im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse jammern deutsche Buchverlage über die Bedrohung, die angeblich von der Buchpiraterie ausgeht. Naheliegen, dass in dem Zusammenhang auch wieder nach dem Staat gerufen wird, der es richten soll.

Zwei Aspekte sind es, die dabei dem Leser und Autor ins Auge fallen. Das Phänomen der illegalen Kopien (und um solche handelt es sich eindeutig) ist nicht neu. Nicht mal von gestern. Vermutlich lässt sich nicht mal genau sagen, ob die Anzahl der Raubkopien im Netz zugenommen hat oder nicht. Es zeigt jedoch, dass die anfängliche Skepsis der Leser gegenüber eBook Readern hierzulande langsam schwindet. Bei den Verlagen löst das Angst aus. Aus der Nische heraus könnte die Buchpiraterie zu einem Massenphänomen werden – der Untergang der Buchkultur, wenn nicht sogar des Abendlandes. Tatsächlich ist wohl eher so, dass man ähnlich wie die Musikindustrie einen Trend verschlafen hat und erst jetzt langsam aufwacht. Das Problem sind nicht die Raubkopien, sondern der enorme Wandel, der mit dem Erfolg (legaler) eBooks einhergehen wird. Man sieht sich unwillkürlich mit der Frage nach der Preisgestaltung konfrontiert. Machen wir uns nichts vor. Auch bei der Literatur geht es letztendlich ums Geld verdienen. Und das ist auch gut so. Denn als Autor hoff man schließlich darauf, eines nicht allzu fernen Tages vom schreiben leben zu können. Dabei gefährden eBooks nicht den Verdienst der Autoren. Sie öffnen neue Vertriebswege und neue Möglichkeiten der inhaltlichen Gestaltung. Raubkopien gefährden nicht das Verlagsgeschäft. Wer ein Buch wirklich besitzen will, der kauft es ganz legal. Nur so lässt es sich ins Regal stellen. Um ein Buch lediglich zu lesen, muss man ex nicht kopieren.

Damit sind wir beim zweiten Aspekt. Dem Ausleihen von Bücher. Eine große Anzahl an Büchern lässt sich gegen eine vergleichsweise geringe Jahresgebühr in den Stadtbibliotheken ausleihen – ganz legal. Darunter auch sämtliche Werke der Bestsellerlisten. Gefährdet das dir Umsätze der Verlage? Mir ist nicht bekannt, dass diese sich in den letzten Jahren jemand öffentlich über den wirtschaftlichen Schaden geäußert hat, den das Ausleihen verursachen würde. Liegt es vielleicht dran, dass sich aus Sicht der Verlage nur wenige Menschen Bücher ausleihen, weil die meisten Leser ein Buch physikalisch besitzen wollen? Wenn dem so wäre, die Angst vor Raubkopien wirklich unbegründet

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