DuSieda

Zugegeben, ich habe mich erst kürzlich darüber geärgert, wie schnell auswärtige Besucher Köln und die Kölner missverstehen. In einem Blog wurde wenig schmeichelhaftes zum Kölner Bier (Kölsch) gesagt. Dazu noch die Behauptung aufgestellt, hier würden alles und jeder geduzt.

In solchen Fällen neige ich dazu, eine Überforderung mit Köln und Großstädten insgesamt zu attestieren und empfehle der betreffenden Person, doch bitte wieder unter den Stein in der Provinz zurück zu kriechen, wo sie hergekommen ist. Höflich ist das allerdings nicht. Daher der Versuch, anhand eines Gegenbeispiels zu zeigen, dass Kölner ausgesprochen förmlich sein können und dennoch über einen feinen Humor verfügen (der sehr nah an den der Engländer heranreicht).

Handlungsort der kleine Szene ist mein neuer Friseur-Laden. Dort werden nicht nur die Kunden mit ‚Sie‘ angesprochen. Untereinander siezen sich die Mitarbeiter auch. Dabei ist die Atmosphäre keineswegs angespannt, sondern durchaus heiter (nicht locker, wohlgemerkt).

Ein älter Kunde bekommt ein Glas Wasser zu trinken. Der Geschäftsführer, welcher auch selber schneidet, teilt ihm mit, dass der Termin nach ihm verschoben worden ist, so dass man sich Zeit lassen kann.

KUNDEN: Da kann ich ja noch was trinken.
FRISEUR: Von mir aus können Sie einen ganzen Eimer trinken.
KOLLEGIN: Es hat ja auch heute genug geregnet.

Alle drei lachen.

Die Stimmung ist ist immer sehr angenehmen. Man verlässt den Laden immer ein kleines Stück fröhlicher und zufriedener. Fast hätte ich es vergessen: gut Haare schneiden können die auch.

Was wollte ich jetzt eigentlich jetzt noch mal sagen? Ach der Kölner. Den gibt es nämlich gar nicht. Jeder Jeck ist anders. Und wer voller Vorurteile ist, brauch auch gar nicht in andere Städte zu fahren. Nächsten Woche schauen wir uns dann die Düsseldorfer an.

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