Sorgsame Prüfung

Den Fall der Amanda Knox verfolge ich bereits seit einiger Zeit, nicht nur deshalb, weil es brauchbaren Stoff für einen Krimi ergibt. Hinter dem „Fall“ steckt eine Tragödie, das Schicksal von vier Menschen, welches miteinander verbunden ist. Auf der einen Seite das Opfer. Meredith Kercher. Und drei Verdächtige, die allesamt in einem Indizienprozess zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden.

Durch die mehr als dürftige Spurenlagen, kombiniert mit nachlässiger Ermittlung, wird sich wohl nie wirklich klären lassen, was in der Nacht vom 1. auf den 2. November 2007 wirklich in Perugia passiert ist. Nur zu verständlich, dass das unbefriedigend ist. Insbesondere für die Angehörigen der Ermordeten. Ändern kann man das leider nicht. „Im Zweifel für den Angeklagten“ ist ein wichtiger Grundsatz.

An dieser Stelle könnte der Blogeintrag jetzt zu Ende sein. Vielleicht hätte ich auch gar nichts darüber geschrieben. Eine Sache jedoch hat mich heute morgen beim lesen der Zeitungsartikel geärgert. Die Art und Weise, wie in den USA (Knox ist amerikanische Staatsbürgerin) über den Freispruch geredet wird.

Die USA erkennen die sorgsame Prüfung des Falles durch die italienische Justiz an.“
Außenamtsministerin Vicoria Nuland

Auch in anderen Kommentaren klingt kaum verholen durch, was man in den USA von der italienischen Justiz hält: nichts. Da werden pauschal mafiöse Strukturen und Korruption unterstellt. Eine funktionierende Demokratie mit einem ordentlichen Justizwesen sei Italien nicht. Diese Art der Herablassung hat Italien, trotz Berlusconi, nicht verdient. Gerade die italienische Justiz hat sich in Bezug auf die Bekämpfung der Mafia verdient gemacht. Es ist auch genau diese Justiz, die Berlusconi am meisten fürchtet und die er mit immer neuen Gesetzten einzuschüchtern versucht.

Wenn es denn ein Problem mit dem italienischen Justizwesen gibt, dann ist das in erste Linie ein italienischen Problem, dann ein europäisches. Als Europäer erbost es mit, mit welcher Herablassung die USA auf eines unserer Mitgliedsländer blicken. Wer im eigene Land so etwas barbarisches wie die Todesstrafe hat, sollte mit Vorwürfen vorsichtig sein. Justizirrtümer gib es selbst in den vorbildlichsten Demokratien. Im Unterschied zu den USA ist ein möglicher Irrtum wie im Falle von Amanda Knox in Italien aber nicht tödlich. Die verlorenen Lebenszeit, wenn man zu Unrecht verurteilt wurde, kann einem niemand ersetzen. Ein beendetes Leben aber ist aber immer Unrecht.

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