Phantomschmerz

Phantomschmerz

Bei Wikipedia findet sich zum Stichwort „Phantomschmerz“ die Erklärung, dass es eine Empfindung sei, das amputierte Gliedmaßen noch vorhanden seien. Für eine Szene im Krimi arbeite ich gerade an einer Amputation, eigentlich eher eine aufgenötigte Selbstverstümmelung.

Als Autor empfinde ich dabei zwar keine Phantomschmerz, aber etwas ähnliches. Ich leide mit der Figur mit. Wenn ich mir die Stelle vor Augen führe, ist es, als ob ich kurz davor, selber Hand an mich zu legen. Es vermutlich nicht nur mit dem Schmerz zusammen, den man sich gut vorstellen kann, sondern auch mit den Bildern, die durch die Beschreibung im Kopf erzeugt werden. Zartbesaitete Natur sollte überings an dieser Stelle aufhören zu lesen.

Gut, ich hatte vorgewarnt, alle die jetzt weiterlesen, tun das im vollen Bewusstsein, dass es unangenehm werden könnte.

Also gut. Stellen wir uns das vor, was einer Figur von einer anderen abverlangt wird. Wir bekommen einen handelsübliche Rosenschere und die Anweisung, diese zu benutzen. Das leben unsere Freundin / Frau können wir nur retten, wenn wir uns mit der besagten Rosenschere den kleinen Finger abknipsen. Wenn wir Rechtshänder sind, den der linken Hand und umgekehrt. Das Tückische an Rosenschere ist, dass es damit gut möglich ist. Viel besser als sagen wir mal mit einer Geflügelschere.

Rosenschere in die Handnehmen, Finger zwischen die Klingen und beherzt zudrücken. Mir reicht es schon, diese Zeilen hier zu schreiben, um ein flaues Gefühl im Magen zu bekommen und ängstlich auf meinen Finger zu starren.

Würde ich dagegen den Arm nehmen und mir vorstellen, der müsste mit einem Beil abgehackt werden, passiert im Kopf wesentlich weniger. Aber beim kleinen, empfindlichen, so zerbrechlich aussehenden Finger – also den Monitor müsst ihr jetzt selber reinigen ihr wart gewarnt

One Reply to “Phantomschmerz”

  1. Finde ich jetzt noch nicht wirklich schlimm, auch die Vorstellung nicht. Sollte mir jetzt der kleine Finger wehtun, sollte er vielleicht vor mir weglaufen? Ich weiß nicht, ich habe wohl schon zu viele Krimis gelesen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren