Nacht der Stimme

Es ist eines dieser Wochenenden, an deren Enden man erstmal ein paar Tag Arbeit brauch, um sich zu erholen. Auch wenn es vom Wetter her durchwachsen war (gestern schwül-warm, heute verregnet), war die Zeit doch stark verplant.

Gestern gab es die „Kölner Musik Nacht“, die zweite vom CHEF und mir. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf der „Stimme“. Im Gegensatz zum letzten Jahr hatten wird beschlossen, nicht nach jeder Veranstaltung den Ort zu wechseln, sondern uns auf zwei Veranstaltungsorte zu beschränken (und dort so viel wie möglich mitzunehmen). Los ging es um 18 Uhr im „Belgischen Haus“ (das heisst nicht nicht nur einfach so, sondern dort ist auch die belgische Botschaft untergebracht). Liebeslieder von Johannes Brahms. Wunderschön vorgetragen, soweit ich das mitbekommen habe. Das lag weniger am Sänger und der Sängerin, sonder dran, dass es zum teil auch Wiegenlieder waren. Wenn die Luft etwas verbraucht ist, man selber noch den letzten Abend in den Knochen hat – ich denke, jeder kann sich vorstellen, was mir passiert ist. Zumindest habe ich nicht geschnarcht. Richtig wach wurde ich dann dank Verena Guido und Adrian Ils. Das was dort zusammen mit Martin Kübert und Bernd Keul geboten wurde, hat mich so richtig mitgerissen. Eine musikalische Reise quer durch Klassik, Chanson und Jazz (zumindest stand das so ähnlich im Programm). Hätte ich darüber abstimmen dürfen, hätten die vier den ganzen Abend weiterspielen können. Was abe rnicht bedeuten soll, dass die „Voices in Peace“ mit ihren überwiegend auf hebräisch gesungenen Lieder schlecht gewesen wären, ganz im Gegenteil. Guido und Ils haben auf mich jedoch den stärkeren musikalischen Eindruck gemacht. Nach V.I.P. stand ein Ortswechsel an. Kurzfrist hatten wir uns dazu entschieden, noch mal etwas aufzutanken – einen kalten Milchkaffee beim REWE am Zülpicher Platz zu erstehen (ja ich weiss, nicht sehr korrekt, denn es war Samstag jenseits von 21 Uhr…). Für den weiteren Abend war der kleine Koffein-Kick wichtig.

Durch den Zwischenstopp haben wir vom „Signum Saxophonquartett“ nur die zweite Hälfte der Aufführung mitbekommen, aber das was wir gehört haben, hat uns gefallen. Die drauf folgende „Les Saxosythes-Werkstatt“ ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Mir hat die Darbietung allerdings gefallen. Insbesondere „oder der Ozean“ (ich hoffe, dass war jetzt der richtige Titel), hat mich tief beweget und war mein persönliches Highlight des ganzen Abends. Ein Spiel mit Sprache, Klang und Wörtern (per Videoeinspielung). Das würde ich gerne noch mal erleben. Interessanterweise haben wir im letzten Jahr die Musiknacht mit „Les Saxosythes-Werkstatt“ in der Agnes-Kirche begonnen.

Die letze Veranstaltung des Abends möchte ich lieber vergessen. Es ist einfach nur schade, wenn man seine eigene Darbietung mit Schmackes gegen die Wand fährt, weil man die Akustik nicht im Griff hat und auch nicht wirklich einsichtig ist. In einer Kirche kann man nicht einfach seine Lautsprecher irgendwo aufstellen. Der Gesang ging dann unter im eigenen Echo. Als mittendrin ginge, waren wir nicht die ersten.

Den heutigen Tag des offenen Denkmals habe ich zwar ebenso wie den Bücherflomarkt an der Alten Feuerwache ins Wasser fallen lassen, trotzdem war ich dann am Nachmittag noch am Rheinufer, um zumindest noch einen Teil der Lesungen von Rheinlesen mitzubekommen. Während „Das Kölner Märchenbuch“ im Pänz-Haus ganz putzig war (Kinderbücher zu schreiben, ist eine Klasse für sich und wird leider oft genug unterschätzt) haben die nachfolgenden zwei Veranstaltungen im BAY ein eher gemischtes Gefühl hinterlassen. Bevor ich dazu komme, noch kurz etwas zum Veranstaltungsort, denn das habe ich gestern vergessen zu erwähnen. Das BAY ist ein Zelt am Rheinhafen, dass im Inneren mit Sand und Liegen ausgestattet ist. So kommt etwas Strandfeeling auf, auch wenn dazu streng genommen Sommer gehört.

Gut, dass hat jetzt nur kurz von dem abgelenkt was ich eigentlich schreiben sollte. Wie die beiden Lesungen waren. Dieter Höss hat sehr fein aus seinem Buch „Der Kölner Witz“ vorgetragen. Seinem ganz persönlichen Blick auf den Kölner Witz und Dualismus konnte ich viel abgewinnen. Das lag zum Teil an seine ruhigen, unaufgeregten Art, den präzisen Beobachtungen, aber auch dran, dass er ebenso wie ich weder Kölner noch richtig Imi ist wie ich – das hat man davon, wenn man ach Köln zieht familiäre Wurzeln dort hat.

Bedingt durch die Länge der Lesung von Höss habe ich dann kurzfristig etwas umdisponiert und bin dann noch zur Lesung von Elke Pistor aus ihrem Buch „Das Portal“ geblieben (eigentlich habe ich ja eine Karte für die Lesung in der Mayerschen Buchhandlung am 29. September, die ich jetzt nicht mehr benötige). Natürlich kennt man Menschen nicht wirklich, wenn man lediglich bei Facebook mit ihnen verbunden ist. Trotzdem macht es etwas schwierige, hemmt die Kritik, die aufkommt. Aus „kollegialer Fairness“ heraus möchte ich dennoch zwei Sachen anmerken. Mit meinem vielleicht begrenzten Horizont kann es mir nicht vorstellen, dass man mit einem Fuß beiläufig die Leiche eines erwachsenen Menschen auf den Rücken drehen kann. Was ich dagegen ziemlich gut kenne durch die berufsbedingte Fahrerei mit der Bahn, ist der Kölner Hauptbahnhof. Wenn man auf dem Bahnsteig jenseits von Abschnitt F, fast ganz am Ende des Bahnsteigs steht, dann befindet man sich außerhalb der Überdachung. Wenn man nach oben blickt, sieht man nicht die Bahnsteigüberdachung. Zwar bin ich weder Experte für Selbstmorde noch habe ich etwas über solche, die am Kölner Bahnhof passiert sind, gelesen, aber dort wo sich der Selbstmörder hinstellt, ist es eher ungünstig. Passender wäre eigentlich alles jenseits von Abschnitt A, vor allem auf Gleis 5 und 6, wo die Fernzüge einfahren (die sind da noch etwas schneller als ein RE auf Gleis 1).

Zur Idee, eine Kommissarin der Mordkommission auf eigene Faust ermitteln zu lassen, weil es eine persönliche Sache ist, möchte ich an diese Stelle lieber nichts sagen. Belassen wir es einfach dabei und ziehen aus dem Wochenende das Fazit, dass es extrem kurzweilig war und nicht nur ein Highlight hatte.

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