Tortenstille

Nicht nur erfahrene Krimi-Leser wissen mit einem Totengräber etwas anzufangen. Dennoch stutzt über den Buchtitel von Heinrich Steinfest. “Tortengräber”, laut Untertitel ein rabenschwarzer Roman.

Eine mehr als faire Bezeichnung für ein Buch, dass mit dem Genre “Krimi” spielt, ohne ein waschechter Krimi sein zu wollen. Mit üblichen Maß kann man daher den Text von Steinfest nicht messen. Auch wenn es Ermittler gibt, Täter und auch mehrere Opfer, so kann man dem Tortengräber schwer fassen. Oberflächlich geht es um die Entführung einer Industriellentochter, die im Desaster endet. Ein Unschuldiger (Klaus Varvras) wird schnell als Opferlamm gefunden und in den Strudel (was man in Wien auch gleich zweideutig sehen kann) der Ereignisse gezogen. Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint, hinter jeder einleuchtenden Erklärung steht ein weitere, viel verworrenere, die die erste als Lüge bezichtigt. In der verwobenen Handlung versteckt sich dabei eine gehörige Portion Gesellschaftskritik.

Krimi, nein ein Krimi ist es nicht. Aber ein trotz des merkwürdigen Epilogs empfehlenswertes Buch. Rein sprachlich betrachtet ist es ein Genuss, vermutlich ähnlich wie die von Klaus Varvras geliebten Croissants:

Was könnte man Gutes über diesen Mann sagen? Daß er pünktlich zur Arbeit kam, seinen Fernseher angemeldet hatte, regelmäßig Vitamintabletten schluckte und häusliche Schimmelbildung vermied?

Schon die ersten Sätze zeigen, in welchem Stil es weiter geht. Für mich war “Tortengräber” nach all den lustlos geschriebene Krimis, die ich in letzter Zeit gelesen habe, ein sprachliche Wohltat. Steinfest zeigt, dass es auch möglich ist, literarisch anspruchsvoll und trotzdem unterhaltsam zu schreiben. Gerne mehr davon.

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