Menschen verachten

Menschen verachten

Es kommt nicht oft vor, dass ich Leserbriefe, zumal in Lokalzeitungen, lese. Das liegt daran, dass ich genau weiss, was einen da so erwartet. Oft genug toben sich das Zeitgenossen aus, die ansonsten keiner ernst nehmen würde.

Das Problem an der Sache ist, wie man aktuell wieder sehen konnte, dass man aufmerksam werden sollte, wenn jemand mit radikalen Ideen ankommt. Oft sind es die ersten Warnsignale. Bei dem Leserbrief, den ich zuletzt im Kölner Stadt-Anzeiger gelesen habe, ist zwar nicht zu befürchten, dass der Schreiber aktiv wird. Trotzdem wird einem beim lesen doch etwas anders, zumal er laut eigner Aussage ausgerechnet Arzt ist.

Es ging um das Thema Organspende. Tenor seines Briefes war: „Wer nicht spendet, darf auch keine Organe empfangen“. Für ihn ist der Verstorbene keine Person mehr, sondern nur noch eine Sache, über die man verfügen kann. So wird „im Falle eines medizinisch einwandfrei festgestellten Todes der im Sterben Liegende […] automatisch zum Organspender“. Wer das nicht will, muss nach Meinung des Schreibers zu Lebzeiten widersprechen, verlöre aber dann das Recht auf ein Spenderorgan:

…, dass der Widersprechende auch unter keinen Umständen zum Organempfänger werden darf.

Das würde bedeuten, man lässt bewusst einen Menschen, der mit einem gespendeten Organ gerettet werden könnte, sterben. Einfach so, aus Prinzip. Ist es Selbstgerechtigkeit, oder Menschenverachtung, die jemanden zu so einer Aussage verleitet? Ich weiss es nicht. Aber es ist auf jeden Fall eine Haltung, die ich als Christ nicht teilen kann.

One Reply to “Menschen verachten”

  1. „Das würde bedeuten, man lässt bewusst einen Menschen, der mit einem gespendeten Organ gerettet werden könnte, sterben. Einfach so, aus Prinzip. Ist es Selbstgerechtigkeit, oder Menschenverachtung, die jemanden zu so einer Aussage verleitet?“

    Ist das wirklich so selbstgerecht und menschenverachtend?
    Wenn Du kein Organ spenden willst – würdest Du dann aber ein gespendetes Organ wollen, um Dein Leben zu retten?
    Ich wäre gegen Beides: gegen Spenden und gegen Empfangen?

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren