Menschen verachten

Es kommt nicht oft vor, dass ich Leserbriefe, zumal in Lokalzeitungen, lese. Das liegt daran, dass ich genau weiss, was einen da so erwartet. Oft genug toben sich das Zeitgenossen aus, die ansonsten keiner ernst nehmen würde.

Das Problem an der Sache ist, wie man aktuell wieder sehen konnte, dass man aufmerksam werden sollte, wenn jemand mit radikalen Ideen ankommt. Oft sind es die ersten Warnsignale. Bei dem Leserbrief, den ich zuletzt im Kölner Stadt-Anzeiger gelesen habe, ist zwar nicht zu befürchten, dass der Schreiber aktiv wird. Trotzdem wird einem beim lesen doch etwas anders, zumal er laut eigner Aussage ausgerechnet Arzt ist.

Es ging um das Thema Organspende. Tenor seines Briefes war: „Wer nicht spendet, darf auch keine Organe empfangen“. Für ihn ist der Verstorbene keine Person mehr, sondern nur noch eine Sache, über die man verfügen kann. So wird „im Falle eines medizinisch einwandfrei festgestellten Todes der im Sterben Liegende […] automatisch zum Organspender“. Wer das nicht will, muss nach Meinung des Schreibers zu Lebzeiten widersprechen, verlöre aber dann das Recht auf ein Spenderorgan:

…, dass der Widersprechende auch unter keinen Umständen zum Organempfänger werden darf.

Das würde bedeuten, man lässt bewusst einen Menschen, der mit einem gespendeten Organ gerettet werden könnte, sterben. Einfach so, aus Prinzip. Ist es Selbstgerechtigkeit, oder Menschenverachtung, die jemanden zu so einer Aussage verleitet? Ich weiss es nicht. Aber es ist auf jeden Fall eine Haltung, die ich als Christ nicht teilen kann.

Kommentar verfassen