Tod am Wochenende

Das vergangene Wochenende war nicht nur geprägt von einem Wetter, welches mehr als Herbstlich war, sondern auch überschattet von zwei Meldungen. Zweimal Tod. Einmal die Sängerin Amy Winehouse, die im Alter von 27 Jahren verstorben ist. Dann die Anschläge in Norwegen.

Zwei Ereignisse, die unterschiedlicher nicht sein können. Eine erfolgreiche Sängerin, deren Ende absehbar war. Exzesse mit Alkohol und anderen Drogen, ein trotziges, aber sehr erfolgreiches Lied über die Weigerung, in eine Rehabilitationsklinik zu gehen („Rehab“). Soll man da Mitleid haben? Oder aber ist es so, dass Winehouse ihren Tod selbstverschuldet hat und man daher mit „Selber schuld“ nachtreten darf? Was bedeutet ihr einzelnes Leben im Vergleich zu den zahlreichen, vor allem jungen Menschen, die in Norwegen ermordet wurden? Menschen, die mit Sicherheit leben wollten, denen es aber von einem Massenmörder genommen wurde – von einem Amokläufer kann man hier kaum sprechen, denn die Tat war von langer Hand geplant, zudem richten sich die Amokläufer am Ende selber.

Ich denke, man kann beides nicht ge­gen­ei­n­an­der aufrechnen. Jedes Leben, jeder Mensch ist einmalig. Zu sagen, Winehouse wäre selber Schuld an ihrem Ende gewesen, entspringt einer widerwärtigen Selbstgerechtigkeit von Menschen, die sich zu Richtern aufschwingen. Zweimal Tod. Zwei Fälle, die uns bewegen, jeder auf eine ganz andere Art. Natürlich gilt mein Mitgefühl in diesen Tagen den Menschen in Norwegen. Den Angehörigen und Überlebenden, die diese schrecklichen Momente wohl nie vergessen werden. Zu bewundern ist auch, wenn der norwegische König und Politiker verkünden, man wolle die Offenheit des Landes nicht aufgeben. Das hieße, dem Ziel des Attentäters in die Hände zu spielen.

Zurück aber noch mal zu Amy Winehouse. Wer nicht ohne Zeitung, Fernseher oder was auch immer in den letzten Jahren gelebt hat, wird ihre Exzesse mitbekommen haben. Zum Teil hat man sich sogar darüber lustig gemacht, gerade auch ihr gescheitertes Konzert in Belgrad, wo sie so zugedröhnt war, dass sie nicht mehr singen konnte. Warum hat ihr keiner geholfen? Hinterher wollen es alle immer schon gewusst haben. Genau umgekehrt verhält sich das in Bezug auf Anders Behring Breivik, dessen Namen man jetzt überall lesen kann. Er ist der 32-jährige Attentäter, der für den Bombenanschlag in Oslo und das Massaker auf der Insel Utøya verantwortlich ist. Über ihn heisst es, er wäre stets unauffällig gewesen, woher hätte man denn wissen sollen, dass er zu so was fähig sei. Hier wurde bewusst oder unbewusst weggeschaut, das geleugnet, was sich vermutlich abgezeichnet hat.

Zweimal Tod. Eine völlig falsche Aussage. Es sind nicht nur Einzelschicksale, jeder der Toten hat das Anrecht auf seine eigene Geschichte, auf eine eigene Erinnerung an ihn. Die Aussage ist auch falsch, weil sie unterschlägt, dass noch viel mehr Tote zu beklagen sind. Nicht nur am Jahrestag der Duisburger Loveparade, sondern weltweit. Gedenken wir nicht nur der Toten, sondern versuchen wir sie dadurch zu ehren, dass wir geloben, hinzuschauen. Rechtzeitig hinzuschauen und unsere Hand zum helfen ausstrecken.

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