Odyssee in der Bahnedition

„Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes, welcher so weit geirrt, nach der heiligen Troja Zerstörung“ Fast könnte man meinen, die Eingangsverse der Odyssee von Homer würden auf sich auf die deutsche Bahn beziehen.

Der vielgewanderte Mann, das wäre in dem Fall die Reisenden. Die Bahn als zerstörtes Troja. Statt eines hölzernen Pferdes in die Stadt hat man versucht das Unternehmen an die Börse zu bringen. Ach, „siehe, der Gott nahm ihnen den Tag der Zurückkunft“ – wohl eher die Zukunft, was die Bahn angeht. Lassen wir hinkenden Vergleich, denn wir wissen schließlich, dass die Odyssee für den namengebenden Titelhelden am Ende gut ausging. Bei der Bahn hofft man das zwar auch, aber ob das auch so sein wird, steht in den Sternen.

Eigentlich wollte ich nicht über Literatur heute schreiben, sondern über die neusten Kapriolen bei der Bahn. Die Odyssee ist aber ein guter Einstige gewesen, denn wenn man auf Ansagen der Bahn vertraut, kann es einem so gehen wie dem Helden im Epos. Wobei das Warten auf Bahnhöfen nicht wirklich etwas heldenhaftes hat.

Wo war ich noch mal? Ach ja, das Bahnchaos heute in Köln. Bereits gestern Abend gab es, so erzählten sich manche Reisende hinter vorgehaltener Hand, ein Störung im Stellwerk Köln-Deutz. So was lässt sich auf keinen Fall in ein paar Stunden lösen. Schließlich sieht man im Dunkeln auch nicht so gut. Jedenfalls, als ich heute morgen um kurz vor acht in aller Ruhe zum Bahnsteig fünf ging, hörte sich schon die Durchsagen. Sämtliche Züge hatten Verspätung oder fielen aus. Wegen besagter Stellwerkstörung. Nach mehr als 10 Jahren mit täglichem Abenteuerkurzurlaub, sprich Bahnfahrten, ist man einigermaßen gestählt und behält vor allem eins: Ruhe. Vor allem hat man gelernt, erstmal Ansagen zu hinterfragen. Spätestens nach zwei extrem schlechten Erfahrungen verlasse ich mich lieber auf meinen gesunden Menschenverstand.

Wenn die Bahn sagt, der ICE nach Dortmund (Abfahrt regulär 8:10) würde heute nicht in Köln halten, sondern über Messe-Deutz umgeleitet, bin ich misstrauisch. Dort sollte die Stellwerkstörung sein, also wäre es nicht logisch, die Züge dorthin fahren zu lassen und nicht über den Kölner Hauptbahnhof. Dem Personal bei der Bahn war das nicht ganz bewusst, denn sie haben alle Reisende per Durchsage aufgefordert, mit der S-bahn nach Deutz zu fahren, da sie dort dann den ICE bekommen würden. Meine Wenigkeit hat weiterhin geduldig auf dem Bahnsteig gewartet. Kurz vor halb neun hieß es dann, besagter ICE würde nun doch ab Köln fahren, aber aus Gleis sieben. Kein Problem für mich, ich musste nur mal eben auf den anderen Bahnsteig. Dumm nur für diejenigen, die jetzt in Deutz am Bahnsteig standen.

Um über Schadenfreude nachzudenken, hatte ich dann noch genügend Zeit, da die Bahn ihren Lockführer für meinen Zug auch nach Deutz beordert hatte. Der durfte dann sehen, wie er zum Kölner Hauptbahnhof kam. Warum man für die Strecke gut 20 Minuten braucht, ist mir allerdings ein Rätsel, denn über die Brücke ist man in ca. 8 Minuten auf der anderen Seite. Immerhin, ich konnte die Zeit schon sitzend im ICE verbringen. Mittlerweile wurde auf Gleis vier der ICE nach Berlin bereitgestellt, selbstverständlich mit Lockführer. In dem Zug, in dem ich mich befand, gab es dann auch prompt eine Durchsage, die Reisenden empfahl, doch in den anderen Zug umzusteigen.

Klar das ich sitzen geblieben bin. Als mein ICE mit dann endlich eingetroffenem Lockführer seine Fahrt über Neuss antrat (also Nicht über Deutz…), stand der ICE nach Berlin noch immer am Bahnhof. Mit 50 Minuten Verspätung war ich dann in Essen. Auf dem gegenüber liegendem Gleis war der ICE nach Berlin noch immer nicht eingetroffen. Das Einzige, was mich wirklich etwas geärgert hat, waren die fehlenden 10 Minuten Verspätung. Denn ab einer Stunde hätte ich Anspruch auf Schadensersatz gehabt. Das sind bei meiner Dauerkarte immerhin 10 Euro. Oder drei Kaffee aus dem Bordbistro.

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