Dichter am Dom

Liebes Tagebuch, gestern war mein erste Mal. Völliger Blödsinn, natürlich, aber es steckt doch etwas wahres darin. Gestern habe ich tatsächlich meinen ersten Poetry Slam besucht (nicht teilgenommen).

Bisher hatte ich davon nur eine ungefähre Ahnung, was das sein könnte. So ein Dichterwettbewerb, hab ich mir mal sagen lassen. Aha, gut. Mehr als dass da vornehmlich junge Menschen selbstverfasste Texte vortragen, wusste ich dann nicht. Entsprechend unvorbereitet war ich dann zusammen mit dem CHEF gestern Abend bei Gaffel am Dom – nicht unbedingt meine Location, da ich Päffgen Kölsch zu meinem Lieblingskölsch zähle. Scherz beiseite. Was mich bei Gaffel eher stört, ist das mehr durch Jungesellenabschiede geprägte Publikum und die Köbes, die nicht Freundlichkeit nicht zu ihren wesentlichen Charaktereigenschaft zählen können. Wer meinem Urteil nicht so ganz traut, soll einfach mal ein Bier bei Gaffel und dann schräg gegenüber bei Früh trinken – und dann in aller Ruhe zum Heumarkt zu Päffgen gehen. Lassen wir das. Ich will hier keinen Bierstreit vom Zaun brechen, sondern eigentlich über den Poetry Slam schreiben. Zurück dazu also.

Die Rahmenbedingungen für „Dichter am Dom“ waren recht einfach. Acht Dichter steigen in den Ring, einer geht als Sieger hervor. Jeder von ihnen hat genau fünf Minuten Zeit um sein Werk dem Publikum zu präsentieren. Hilfsmittel und Verkleidung sind nicht erlaubt. Nach jeder Performance stimmt das Publikum ab, die vier mit den meisten Stimmen kommen ins Halbfinale. Auch dort gibt es wieder pro Person fünf Minuten, die beiden Besten ziehen ins Finale ein. Für jeden Dichter hieß das im Vorfeld, drei Texte vorzubereiten. Neben dem Texte selber kam es auch darauf an, wie er vorgetragen wurde. Abgelesen mit monotoner Stimme, frei erzählt oder gesungen.

Die Acht Ritter der Worte, die sich gestern präsentierten waren: Jan Coenen (nicht der Barbar), Michael Heide, Matthias Marschalt, Jan Moebus, Jan Philipp Zymny, Tom der Reimer, Thilo und Christopher Palminteri (aus Düsseldorf, was sich aber nicht negativ auf die Punkte ausgewirkt hat).

Gekonnt führten Florian Müller und Alexander Bach durchs Programm. Dabei ließen sie sich auch nicht durch einen prolligen Zwischenruf aus dem Publikum aus dem Konzept bringe – wenn der Typ einfach zu blöd ist, aus dem Fenster zu schauen, kann man ihm auch nicht helfen. Nettes Detail am Rande war für ,ich der Hinweis auf die Plattform MySlam.

Bei den einzelnen Darbietungen (den so sollte man das wohl nennen) zeigte sich schnell, für welche Dichter das Herz des Publikums schlägt. Am Ende stand daher wohlverdient Michael Heide und Jan Philipp Zymny im Finale. Leider musste auch ich mich zwischen beiden entscheiden, was ich am liebsten vermieden hätte, den beide waren verdammt gut. Während Zymny einen famosen Humor gepaart mit gekonnter Darbietung kombiniert und dem Publikum die Lachtränen nur zu runter liefen, gab es von Heide tiefgründige Texte. Texte, die in Erinnerung bleiben und über die es sich lohnt, nachzudenken. Wenn die Werke von Heide und Zymny nur gedruckt vorgelegen hätte, wäre Heide als Sieger hervorgegangen. Seine Texte hatten unbestreitbar literarischen Tiefgang. So aber wurde Zymny mit viel Humor König der Herzen und Gewinner des Abends.

Gewonnen haben aber auch auf jeden Fall die Zuschauer, denn das, was da in fast drei Stunden an Unterhaltung geboten wurde, war ein wahres Feuerwerk der Kreativität. Für mich wird das unter Garantie nicht der letzte Poetry Slam sein.

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