Möchtegern

Kaum ein Buch, was ich in letzter Zeit gelesen habe, hat ein so zwiespältiges Gefühl bei mir hinterlassen wie „Möchtegern“ von Milena Moser. Ein Kritik zum Buch zu schreiben, ist in diesem Fall auch nicht einfach.

Vielleicht muss ich mein Fazit diesmal vorweg nehmen. Seinen besonderen Reiz entfalte „Möchtegern“ für all die Leser, die selber auch schreiben, Autoren sind. Nur dann kann man die Anspielung verstehen, sich eventuell selber in den Figuren entdecken oder auch die Schreibaufgaben zischen den einzelnen Kapitel erfüllen. Für alle Anderen ist der Roman dagegen fade, sogar verwirrend, da die Gesichte nicht nur aus der personalen Perspektive, sondern auch aus der Ich-Perspektive erzählt wird. Moser gelingt es dabei, durch die Menge der Figuren den Leser so zu verwirren, dass er immer wieder zurück blättern muss, weil ihm eine bestimmte Figur nicht mehr in allen Details präsent ist. Gerade „Möchtegern“ würde erheblich von einem Figurenverzeichnis (am Anfang oder Ende des Buches) profitieren.

Kommen wir zur Handlung des Romans. In der Schweiz wird der nächste SchreibStar gesucht (zum Buch gibt es auch eine gut gemachte Webseite). Die ehemalige Erfolgsschriftstellerin Mimosa Mein wird zur Mitarbeit in der Jury überredet. Diese soll darüber befinden, wer von den letzten 10 Kandidaten als letzter in der SchreibFabrik über bleibt. Wer hat das Talent, die harten Prüfung zu überstehen und wer ist es, der von Anfang an falsch spielt?
Die Idee von „Möchtegern“ hat mir beim lesen der Buchbeschreibung sofort gefallen. Auch die berühmten ersten Sätze hatten mich sofort überzeugt:

Sie wollten alle dasselbe. Sie wollten ein Buch schreiben. Nicht irgendein Buch – sondern den großen Schweizer Roman.
Sie wollten so schreiben, dass jedes Wort zählte. Jedes Wort eine Faust in den Magen. Eine Fessel ums Herz. Wort für Wort, Satz für Satz: Geschichten, die mit angehaltenem Atem gelesen würden, nachts unter der Bettdecke, in Straßenbahnen, Wartezimmern, Cafés.

Ich wollte nach diesen Zeilen sofort weiterlesen. Aber, wie bereits einleitend gesagt, man diesen Roman nur richtig genießen, wenn man selber schreibt – und das auch nur dann, wenn man nicht versucht, sich auf der Metaebene mit dem Roman auseinander zu setzen. Sonst stellt man nämlich schnell fest, dass die Handlung und insbesondere der Schreibstil von Frau Moser für 464 zu dürftig ist. Nach einem sehr starken 1. Kapitel hat man das zweite Kapitel vor sich, die Ich-Perspektive von Mimosa Mein (über die Namensähnlichkeit zur Autorin Milena Moser lass ich mich nicht aus, dass ist mir einfach zu platt). Zumindest ich habe mich gefragt, was das denn jetzt soll. Es passt einfach nicht zum ersten Kapitel. So bleibt das Buch dann leider auch nur Stückwerk. Hätte Moser der Idee mehr vertraut und die Perspektive aus dem ersten Kapitel so weiter geführt, wäre ein erheblich besseres Buch entstanden. Der Geschichte der Mimosa Mein ist einfach zu abgestanden, als dass sie eine Bereicherung für das Buch wäre.

Was bleibt also am Ende? Ein Buch, dass man nicht unbedingt gelesen haben muss. Aber trotzdem ein Buch, dass ich jedem Schreibenden ans Herz legen möchte. Nicht unbedingt als schlechtes oder gutes Beispiel, sonder außerhalb der Bewertung. Einfach zur Unterhaltung. Und wer es gar nicht mag, hat immerhin noch die 30 SelberSchreiben-Aufgaben darin, die sich auf jeden Fall lohnen.

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