Nicht böse sein

Unterwegs im Zug nach Karlsruhe, zum Autoren-Workshop. Begleitet von beständigem Gähnen. Die Nacht war gefühlt viel zu kurz.

Von den Dingen, die ich gestern alle schaffen wollte, habe ich alle erledigt. Da kann man ruhig mal zufrieden sein. Aber da ist noch eine Sache. Ich habe noch immer nicht über die Veranstaltung vom Donnerstag berichtet. „Wie kommt das Böse in die Literatur?“

Als ich die Karten für die Veranstaltung gekauft hatte, habe ich mit dem, was mich erwartet, nicht weiter beschäftigt. Das Thema hörte sich für jemanden, der Krimis schreibt, spannend an. Mehr brauchte ich nicht zu wissen, dachte ich.

Ich kannte weder den Moderator Günter Blamberg noch kannte Peter-André Alt und Martin Mosebach. Man kann mich jetzt als Kulturbanause bezeichnen, aber es gilt dabei zu bedenken, dass die Welt voller Menschen ist, die man nicht kennt.

Im Untertitel stand noch was von unmoralisch in Ästhetik. Wie dem auch sei, ich war ziemlich unvorbereitet auf das, was da in zwei Stunden auf mich einprasselt. Es fing an mit einer vampirisch anmutenden Textstelle aus „Die Gesänge des Maldoror“ von Isidore Lucien Ducasse. Starker Tobak. Danach ging es zurück zum Ursprung (zumindest laut Bibel), zu Adam und Eva und zu Luzifer. Die Religion zeigt, wie das Böse in die Welt kam (Sturz des Engels), berichtet von der Verführung der Eva, verschweigt aber das Warum. Das besondere am Mysthischen ist, dass es nicht erklären muss. In dem Zusammenhang fand ich einen Satz für uns Schreiber sehr schön: „Erzählen hat die Fähigkeit, über logische Widersprüche hinwegzugehen.“ Was der kritische Leser dann daraus macht, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Die gesamte Diskussion war extrem spannend zu verfolgen, wenn auch anstrengend. Beständig habe ich mir im Verlauf der Veranstaltung Notizen gemacht und war längst nicht der Einzige dabei. Die vielen Anstöße, Ideen und Anregungen sollte ich auf jeden Fall nich mal in Ruhe aufgreifen. Während einer Zugfahrt gelingt das bei der Fülle des Stoffes nicht ganz.

Eins sollte ich noch anschneiden. Darüber kann man dann an diesem Wochenende nachdenken: „Das Böse wohnt im Mangel.“ Aufklärung und Fortsetzung folgt.

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