Nachts im Schief

Diese Tage, an denen alles schief geht, es gibt sie wirklich. Heute war so einer. Der Tag verlief komplett anders als geplant.

Zudem kribbelte meine Nase, was garantiert keine Erkältung ist. Im Hals hab ich so ein merkwürdiges Kratzen seit ein paar Stunden. Aber ich will mich nicht beschweren. Nur hemmungslos rum jammern. Da wir das jetzt geklärt haben, können wir zum eigentlichen Thema übergehen.

Hatte ich eigentlich meine Rückfahrt von Essen heute erwähnt? Nicht? Geplant war, früher Feierabend zu machen, damit ich rechtzeitig für die Veranstaltung „Wie kommt das Böse in die Literatur“ in Köln bin. Gestehen wir dabei auch einem Mann zu, dass er das Bedürfnis hat, sich vorher noch etwas frisch zu machen. Das hat dann leider nicht geklappt. Streckensperrung. Ein hässliches Wort. Ein anderer Ausdruck wäre „50 Minuten später als geplant“. Hungrig, abgehetzt und verschwitzt saß ich dann mit dem CHEF in der Veranstaltung – mehr dazu morgen, wir spulen an dieser Stelle etwas vor. Setzten wir wieder ein mit meinem Bericht, als sich die Veranstaltung zu Ende war. Wer pünktlich anfängt, darf auch überziehen, auch wenn er keine Züge fährt. Wie sehen, es ist spät beim schreiben dieser Zeilen und der Humor hat sich schon vor einer halben Stunde verabschiedet. Er sei müde, flüsterte er mich noch ins Ohr.

Zurück zum Geschehen. Nadine und ich hatten beide immer noch Hunger. Kein Problem in Köln dachten wir. Dabei hätten wir es besser wissen müssen. Unter der Woche, 22:30 Uhr kann man sich prima mit Kölsch voll laufen lassen. Was zu Essen bekommt man allerdings nicht mehr (kleiner Einschub: da Nadine sich die linke Hand heute Morgen eingequetscht hatte, musste es etwas sein, was mit einer Hand essbar ist). Der größte Teil der Lokalitäten vom Neumarkt bis zum Mediapark sah nicht mehr einladend aus oder war bereits komplett dunkel.

Aufgeschlagen sind wir dann ausgerechnet bei Pizza Hut am Cinedom. Die haben zumindest täglich bis 24 Uhr auf. Grob geschätzt warnen DER CHEF und ich doppelt so alt wie der Durchschnittsbesucher, was uns aber egal war – der Hunger, wie gesagt. Ein Kölsch sollte man zwar nur dann bestellen, wenn man zu denen gehört, die auf frisch Gezapftes verzichten können und sich mit Ersatz aus der Flasche zufrieden geben, der Rest aber war überdurchschnittlich. Die Bedienung war zudem extrem höflich und zuvorkommend. Zwischendurch war sie dreimal am Tisch und hat gefragt, ob alles in Ordnung sei. Vermutlich verwundert das nicht mehr so stark, wenn man berücksichtigt, dass ich Hemd und Anzughose anhatte und nebenbei in meinem Notizbuch diesen Beitrag geschrieben habe.

Satt und zufrieden gingen wir nach Hause. So hätte der Tag enden können, wenn ich nicht noch den Brief vom Finanzamt aufgemacht hätte. Statt des erwarteten Rückzahlungsbetrages, den mir der Steuerfuchs errechnet hatte, stand da drin eine Summe, die sich auf lediglich 25 Prozent von dem erhofften Betrag belief. Das ist ganz schön hart. Zumindest kann ich mich mit dem nicht wirklich tröstenden Gedanken, dass wir noch keinen Urlaub gebucht haben, in den Schlaf weinen.

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