Danneberg zum Diktat bitte

Danneberg lehnte sich im Sessel zurück. Langsam, damit sein Gegenüber nicht falsche Schlüsse ziehen würde. Er wollte den gerade angebrochenen Abend nicht vorzeitig auf unschöne Weise beenden. Mit dem dümmsten Gesichtsausdruck, zu dem er gerade noch fähig war, schaute er den Mann an.

„Was meinen sie gesehen zu haben.“, fragte dieser.

„Ich weiss nicht, wo von sie sprechen.“

„Woher wusste ich, dass sie mich versuchen würden, für dumm zu verkaufen? Nun, machen wir es kurz. Ich hatte einen langen Tag, habe ein nervöses Leiden, was sich gelegentlich auf den Zeigefinder auswirkt und möchte gleich Feierabend machen. In welchem Zustand ich sie dabei zurück lasse, liegt ganz bei ihnen. Können sie mir soweit folgen?“

Dannberg nickte. Was immer das hier war, es war nichts, was sich in einer offiziellen Akte wiederfinden würde.

„Schön. Wir verstehen uns also. Ich hab hier einen Text, der wohl kaum ein literarisches Meisterwerk ist und noch mal ihrer Überarbeitung bedarf.“ Mit der freien Hand warf er Danneberg zwei gefaltet Seiten zu.

„Sie können das ruhig lesen, es wird ihnen bekannt vorkommen.“ Es war der Text, den Danneberg vor kurzem erst per Fax an die Redaktion geschickt hatte.

„Es lohnt sich wahrscheinlich nicht zu fragen, auf welchem Weg der Text zu ihnen gefunden hat?“

„Gut erkannt, Danneberg.“

„Und jetzt, was wollen sie von mir?“

„Sie verstehen das nicht ganz richtig. Ich persönlich will gar nichts von ihnen. Das mit dem Feierabend hatte ich bereits erwähnt. Das sind hier alles unbezahlte Überstunden.“

„Wer auch immer möchte vermutlich, dass ich den Text überarbeite.“

„Sehen sie, so gefallen sie mir. Ich denke, das hier sieht wirklich hoffnungsvoll für uns beide aus. Sie haben in ihrem Artikel behauptet, dass Grams von der Polizei erschossen wurde.“

„Hab ich das?“, rutschte es Dannberg raus. Der Schlag mit der Waffe kam unerwartet.

„Das tut mir jetzt ausgesprochen leid, aber sie haben vermutlich Eis im Kühlschrank. Also noch mal, anders formuliert. Haben sie gesehen, wie Grams erschossen wurde, ja oder nein.“

Danneberg befühlte das, was eine unschöne Beule geben wurde.

„Nein.“

„Na also, geht doch.“

„Ich soll also schreiben, dass ich nichts gesehen habe?“

„Nicht ganz. Natürlich haben sie was gesehen. Wir wissen schließlich, wo sie gestanden haben.“

„Was genau habe ich denn gesehen?“

„Schön das sie ich sie zur Kooperation bewegen konnte. Selbstverständlich haben sie gesehen, dass Grams sich mit seiner Waffe selber erschossen hat.“

Bis gerade war es für Danneberg nur eine Vermutung gewesen, dass Grams nicht durch seien eigene Hand gestorben war. Jetzt wusste er es.

Kommentar verfassen