Guten Tag Herr Danneberg

Guten Tag Herr Danneberg

Es dauerte zwar einen Moment, aber Danneberg bekam sich wieder in den Griff. So leicht würde er nicht aufgeben. Das mit den Gummibären konnte jetzt erstmal warten. Er überquerte die Straße und schlenderte über den Bahnhofsvorplatz.
„Tut mir leid, sie können hier nicht weiter.“

Jemand, der so aussah, als würde es sich nicht lohnen, Widerstand zu leisten, versperrte ihm den Weg. „Na warte Bürschchen, so leicht gebe ich nicht auf.“, dachte Danneberg. Er hatte schon sehr früh gelernt, dass man mit Mitleid wesentlich weiter kam als mit Protest.

„Hören sie, ich muss meine gehbehinderte Mutter vom Zug abholen. Aber wenn ich jetzt nicht hier durch kann, dann finden sie doch sicher einen Kollegen, der das an meiner Stelle für mich übernimmt. Wenn ich ehrlich bin, würde mir das sogar recht gut gefallen. Kann ich ihnen auch die Adresse des Hotels geben, in das meine Mutter gebracht werden soll? Sie können dann ja einfach sagen, ich wäre erkrankt.“, Danneberg schmunzelt, bevor er fortfuhr, „Ich für meinen Teil kann mir dann in der Kneipe noch einen schönen restlichen Tag machen und brauch hier nicht mehr im Regen rumstehen.“

Wie erwartet, war der Polizeibeamte, den Danneberg unschwer erkannt hatte, unsicher geworden. Irritiert blickte er sich um, sprach dann etwas in sein Funkgerät, bekam aber keine Antwort. Der Beamte zuckte die Schultern.

„Gut, meinetwegen. Bis zu Gaststätte dort drüben lasse ich sie durch. Von da aus sehen sie die ankommenden Züge und können rechtzeitig bei ihrer Mutter sein. Aber bitte gehen sie in ihrem eigenen Interesse nicht weiter als bis zur Gaststätte.“

Danneberg bedankte sich höflich, unterdrückte ein grinsen und ging in die Richtung, in die der Polizist gewiesen hatte. Wenn er erstmal in der Gaststätte war, würde er weitersehen. Er drückte die Tür auf und trat ein. So wie es aussah, war er heute der einzige Gast, abgesehen vielleicht von den Personen, die an der Panoramascheibe saßen, die einem einen guten Blick über die Bahnsteige und Gleise gewährte. Sie waren allesamt um Unauffälligkeit bemüht, so dass ihm sofort klar war, dass es mit Sicherheit keine der sonst üblichen Gäste waren. Zielstrebig ging er rüber zu Elvira, der Besitzerin des Lokals, die an den Tresen stand und gelangweilt Gläser abtrocknete.
„Na Schätzchen, wenig los heute, was?“

Elvira lächelt ihn an, wobei sie auch ihre zwei Goldzähne entblößte Sie kannten sich noch von Früher, von ganz früher. Sie war seine erste Sandkastenliebe gewesen. Noch vor der Pubertät hatten sie sich aber aus den Augen verloren, da sie mit ihren Eltern aus Rostock weggezogen war.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren