Absteigen

Wenn ich heute über das „Absteigen“ schreibe, werden nicht wenige an Fußball denken. Es gab da auch so ein Interview im Kölner Stadtanzeiger mit dem Christoph Daum, den Trainer von Eintracht Frankfurt.

Der war darin tatsächlich davon überzeugt, dass die Würstchen aus Frankfurt den Kölner FC heute schlagen würde. Das hat sich als Satz mit X erwiesen, denn mit einem satten 2:0 im Auswärtsspiel hat der Köln gepflegt gewonnen und verbleibt in der 1. Bundesliga.

Aber was schreib ich denn da? Ich interessiere mich doch eigentlich gar nicht für Fußball (da muss jemand was in mein Kölsch getan haben). Tatsächlich wollte ich über einen ganz anderen Abstieg schreiben, bzw. über das Absteigen. Noch mal tief Luft holen und der Reihe nach erzählen.

Vor dem Haus in dem wir wohnen (eine umständliche, aber nicht unberechtigte Formulierung, schließlich gehört uns das Haus nicht) befindet sich an der eine Seite (es hat zwei zur Straße, weil Eckhaus, was schlaftechnisch – aber das würde jetzt zu weit führen) eine Baustelle auf dem Bürgersteig. Vermutlich Kanalarbeiten. Wobei es für mich eher so aussieht, als hätte man da mal ein Loch gegraben und vergessen, es wieder zu zu schütten (so was soll auch in Köln gelegentlich mal vorkommen). Ganz Vorschriftsmäßig ist das Loch abgedeckt, damit da niemand nach zu viel Kölsch reinfällt. Sogar ein Geländer hat man angebracht. Da der Fahrradweg nicht mehr richtig benutzbar ist, steht vor der Baustelle ein Schild: „Fahrradfahrer bitte absteigen“. Was soll ich sagen, natürlich wird das ignoriert.

Kurz vor der Baustelle befindet sich ein türkische Teestube und ein türkischer Lebensmittelladen, dazwischen ein Kiosk. Vor den Lokalitäten befinden sich des öfteren türkisch Mitbürger aus der Nachbarschaft. Als DER CHEF und ich heute Abend heute Abend unterwegs waren, wurde wir Zeuge einer Szene, für die ich die Leute am liebsten geknudelt hätte.

Wir waren grade an der Gruppe türkischer Männer vorbei, wussten auch, dass hinter uns noch ein Fahrrad kommen würde. Natürlich würde die Person nicht vom Fahrrad absteigen. Und dann passierte es. „Absteigen, ne“ rief einer der türkischen Männer der Frau auf dem Fahrrad zu, die dann auch brav Folge leistet. Ohne den freundlichen Hinweis hätte sie das wohl nicht getan.

Ich könnte das Ganze jetzt noch genüsslich ausweiden, mit dem Finger auf die CDU zeigen und fragen, wo denn jetzt ihre Vorurteile sind, aber ich lass das mal einfach. Nehmen wir es einfach so hin wie es ist und freuen uns über das gelebte Miteinander.

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