Winterkartoffelknödel

Die Bezeichnung „Provinzkrimi“ für das erste Buch von Rita Falk, „Winterkartoffelknödel“ ist eigentlich nicht angebracht. Der Krimi spielt zwar in der bayrischen Provinz, im im fiktiven Ort Niederkaltenkirchen, im haftet stilistisch aber nicht provinzielles an.

Rita Falk hat eine herrlich erfrischenden Art zu schreiben- ohne dabei wie in anderen „Regionalkrimis“ auf Versuche zu setzten, durch die übermäßige Verwendung von Dialekt eine authentische Stimmung zu erzeugen. Falk braucht auch keine Naturbeschreibung aus Reiseführer, sondern vertraut ganz ihrem Protagonisten Franz Eberhofer, dem Dorfpolizisten von Niederkaltenkirchen:

Ich geh also heute zum Simmerl (Dienstag Schlachttag: Blut- und Leberwürste). Ja, und da ist dann wieder diese Pelzmütze vor der Tür gelegen. Direkt vor der Eingangstür zur Metzgerei liegt eben diese Mütze. Ich weiß gar nicht, ob ich davon schon erzählt hab. Nein, wahrscheinlich nicht. Also: das war am Mittwoch (oder Donnerstag – egal), jedenfalls bin ich wie immer mit dem Ludwig meine Runde gegangen.
Anfang des 1. Kapitels

Einen Prolog braucht es nicht und gibt es nicht, was mir persönlich zusätzlich gefällt. Man merkt dem Text an jeder Stelle an, dass er mit Leidenschaft und Talent geschrieben wurde. Trotz einer nicht kleinen Zahl von Toten zieht sich ein Humor durch den Roman, der nie bemüht wirkt, sondern selbstverständlich erscheint, sich aus den Handlungen und Sichtweise der Figuren ganz natürlich ergibt. Überhaupt die Figuren. Es sind keine Abziehbilder, sonder dreidimensionale Charaktere, die ein Eigenleben besitzen.

Für Hardcore Krimi-Fans ist möglicherweise nicht genug Krimi im Buch. Dafür dass die Details aus dem Polizeialltag stimmen, ist durch die besondere Nähe von Frau Falk zur fachlichen Beratung gesorgt – sie ist mit einem Polizisten verheiratet.

Für ganz Depperte gibt es am Ende des Buches ein Glossar mit einer Erklärung der bayrischen Wörter. Nötig ist das freilich selbst für Nordlichter eigentlich nicht. Der Rezept-Teil „Aus dem Kochbuch der Oma“ ist nett, aber leider unvollständig. Das Rezept, was mich persönlich am meisten interessiert hätte, der Essig-Öl-Kartoffelsalat fehlt leider. Ein anderes Problem hat Frau Falk bereits gelöst: sie hat mit „Dampfnudelblues“ schon den Nachfolger geschrieben, so dass mir der Eberhofer nicht so lange fehlen wird. Als besonders Schmankerl gibt es in der Mediathek vom Verlag noch ein Video-Interview mit Rita Falk. Allein schon wie sie über Heizungs-Pfuscher spricht, ist absolut hörenswert.

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