Mein erstes Mal

Wir alle glauben, dass wir unsere Entscheidung bewusst treffen können. Das wir zum Beispiel in der Buchhandlung oder Leihbücherrei neuen Lesestoff mit dem Verstand aussuchen. Natürlich ist das nicht so. Unser Unterbewusstsein hat uns mehr im griff, als uns lieb ist.

Vergangen Donnerstag sprach ich mit den Kollegen aus dem Büro in der Mittagspause über die Anfangszeit von RTL. Über „Pronoto Salavatore“ (so ein Hütchenspiel) und natürlich auch über Hugo Egon Balder und „Tutti Frutti“. Samstag war ich dann in der Stadtbücherei, eigentlich nur, um mal eben einen Schwung Bücher abzugeben. Danach wollte ich einkaufen, brauchte also Platz im Rucksack. Aber mal eben schauen, ob es noch ein Bücher zum Thema schreiben gibt, die ich noch nicht kenne, wäre doch noch drin – dachte ich. Mit einem Stapel von fünf Stück stolperte ich dann noch in den Bereich mit den Krimis. Mal eben schnell noch einen, würde ja jetzt auch nicht weiter mehr ins Gewicht fallen. Es gab, wie ich feststellte, sogar Köln Krimis. Aus dem großen Angebot griff ich mir dann, wie sollte es anders sein, „Tutti Frutti“ von H.J. Walterscheidt. Warum war mir am Samstag noch nicht klar.

Nun den, ob das tatsächlich mein „Erste Mal“ war wo ich zu einem Krimi gegriffen habe, da bin ich mir nicht ganz sicher. Ganz sicher ist es auf jeden Fall meiner erster Köln Krimi; falsch, war, denn ich hab das Buch in einem Rutsch heute durchgelesen. Das, lieber Herr Walterscheidt, ist schon mal ein gutes Zeichen. Insgesamt hab ich auch nicht viel an ihrer Geschichte zu mäkeln. Sicher, es ist keine große Literatur. Aber solide und bodenständig. Ein Handlung, die langsam anfängt und dann Fahrt aufnimmt, so dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag.Einfach klare Sätze, kein unnötiger Ballast. Vorbildlich, würde ich sagen.

Schön ist auch die Verwendung der personellen Erzählperspektive, die genutzt wird, um aus unterschiedlichen Kameraeinstellungen den Fortgang der Handlung zu verfolgen. Nach dem Lob aber etwas „Schelte“. Ich bin Immi, ich kann nur ganz wenig Kölsch verstehen (trinken geht schon viel besser). Das eventuell zur Atmosphäre beiträgt, wenn die Figuren Dialekt (wohl eher Mundart) sprechen, kann ich ja gerade bei einem Köln Krimi nachvollziehen. Nur ist es generell keine gute Idee, wenn man das versucht, 1:1 zu verschriftlichen. Das kann nicht gut gehen. Mich hat das immer wieder aus der Handlung herausgeworfen, da ich die Sätze dreimal lesen musste, um sie zu verstehen. Kleiner Tipp: Es würde reichen, wenn man sich auf einzelne Begriffe beschränkt (ein moderates Kölsch, könnte man sagen). Auch wenn ich natürlich dankbar bin, dass der größte Teil der Dialoge in Hochdeutsch ist, versteh ich die Entscheidung nicht ganz. Warum spricht Peter Baum mal Kölsch mal Hochdeutsch? Vor allem, warum spricht er mit seiner Frau noch Hochdeutsch? Sehr eigenartig: das ältere Ehepaar auf Seite 64 spricht Hochdeutsch. Gerade in so einer Szene hätte ich das anders erwartet.

Ebenso gewundert habe ich mich über die Stimme hinter Uschi (Seite 129) und die plötzliche Freilassung Baum (Seite 133). Da fehlt die Erklärung. Das der Antagonist ein Alkoholproblem hat, passt nicht. Kappes nimmt man den schmierigen Banker ab, aber nicht den Paten. Das Netzwerk hinter ihm bleibt unsichtbar, man sieht nur Stendal. Sein Fortgang aus der Geschichte könnte vielleicht einige Leser enttäuschen, mir hat es aber gefallen. Auch wenn er, wie alle Figuren, etwas blass bleibt, weil man fast nichts über ihre Hintergründe und Motive erfährt, sollte man eines noch erwähnen. Die Namen der Figuren sind hervorragend gewählt – was sicher auch an Stendal zeigt.

Mein Fazit: Solides Handwerk, moderner Schnitt. Gerne mehr davon!

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