Grüner Krimidaumen, Teil II

Nach den ersten fünf Krimis aus „Natürlich der Gärtner“, die ich mir gestern vorgenommen hatte, folgen heute die restlichen (sechs). Bewusst habe ich mir die Besprechungen so eingeteilt, dass auch in der zweiten Hälfte ein guter Krimi dabei ist.

Allerdings ist das nicht „Eins, zwei, drei, vier Eckstein“ von Niklaus Schmid. Seine Figur, der Privatdetektiv Elmar Mogge ein wandelndes Klischee. Vielleicht gibt es ja Leserinnen und Leser, die so was mögen. Ich für meinen Teil mag es nicht, finde es auch zu abgedroschen, dass sich Mogge vor längerer Zeit in eine Klientin verliebt hatte, die sich „zufällig“ jetzt wieder meldet. Das die Figur Mogge sich durch nicht wenige Werke von Schmid zieht, macht das Ganze auch nicht besser. Die Handlung, grob zusammengefasst, dreht sich auch um finanzielle Verluste durch Lehmann Brothers, um Fonds, geprellte Kleinanleger und Nazi-Bilder. Die langatmige Erzählweise verstärkt den Effekt, vor sich das Strickmuster altbackener Krimis zu haben. Am Ende der Geschichte hat man dieses Na-ja-Gefühl. Irgendwo schon mal gelesen, gehört gesehen. Ab in die Klamottenkiste!

Nach dem sechsten Krimi dachte ich, bereits den Tiefpunkt erreicht zu haben. Da lag allerdings noch „Der Jaguar im Bunten Garten“ von Jutta Profijt vor mir. Nach einem klischeehaften Einstieg nimmt die Geschichte zwar Fahrt auf, sobald man aber merkt, dass man hier einen Ethno-Krimi vor sich hat, fliegt man aus der Kurve. Wenn eine Europäerin aus der Perspektive eines Indianers erzählt, kann das nur schief gehen. Die Perspektive ist unglaubwürdig, aufgesetzt und moralisierend. Zivilisationskritik kann man auch anders verpacken als in Jute-Säcken aus den 80ern. Was den die andere Figur letztendlich zum Selbstmord treibt und warum der „Protagonist“ dann die Leiche vergräbt, weiß vermutlich nur Frau Profijt. Aus der Erzählung erschließt sich das nicht. Schade ist, dass man mit etwas mehr Mühe durchaus was aus der Idee hätte machen können. Potential verschenk!

Weil ein Ethno-Krimi im Buch nicht genug ist, bekommt man mit „Die Tchibo Connection“ gleich noch einen von Ulrike Rudolph gleich noch einen serviert, der etwas verdünnt und mit Esoterik angereichert wurde. Ältere Frauen auf einem Selbstfindungstrip, dazwischen der naiv-unschuldige Eingeborene. Das am Ende niemand gestorben ist, macht auch nichts mehr, man ist nur froh, endlich durch zu sein mit der Geschichte. Meiner bescheidenen Meinung nach ist es der schlechteste „Krimi“ im Buch. Das liegt vor allem daran, dass er nicht nur enttäuscht, sondern auch verwirrt. Der Titel – eigenartig. Eine der Hauptfiguren, Egü suggeriert zumindest mir, einen jungen Türken, der aber tatsächlich ein deutscher Rentner ist. Als Leser fühlt man sich am Ende leicht missbraucht. Bitte keine Selbstfindungsgeschichten!

Wer wirklich wissen will, wie man eine gute Geschichte schreibt, der sollte sich unbedingt „Die Bärlauchsammmler“ von Carsten Sebastian Henn durchlesen. Bereits die ersten Sätzen ziehen einen unweigerlich in den Bann. Mit wenigen Worten zeichnet Henn ein altes Ehepaar, dass man zum greifen nah vor sich sieht. Die Geschichte dieses Paares berührt, bringt etwas in einem zum schwingen. Am Ende der ersten Szene hätte die Geschichte bereits enden können, ohne dass man unzufrieden gewesen wäre. Henn geht aber weiter, nimmt den Leser mit an die Hand in die zweite Szene, zieht das Tempo der Erzählung an. Der Wechsel in der Perspektive ist gelungen und ermöglicht einen anderen Blick auf die erste Szene. Gelangt man zum Ende der zweiten Szene, denkt man erneut, jetzt könnte sie zu Ende sein, die Geschichte. Ist sie aber nicht, denn erneut setzt Henn an und präsentiert in der letzten Szene die Perspektive des Opfers und des Mörders. Jeder hat einen Grund, für das was und wie er es tut. In den letzten Sätzen der Geschichte fließt alles zusammen zu einem genialen Ende. Tosender Applaus!

Jürgen Ehlers präsentiert uns in „Skulpturenmord in Viersen“ blutleere Figuren. Er lässt einen Polizisten gegen einen Künstler ermitteln, der möglicherweise für das Verschwinden eines Journalisten verantwortlich ist. Ehlers nimmt sich dabei viel Zeit und versucht, den Figuren vergeblich Leben dadurch einzuhauchen, dass er ihre Beweggründe darstellt. Natürlich geht der Mörder am Ende straffrei aus, denn er hatte einen guten Grund für den Mord. Das nimmt man Ehlers aber nicht ab. Das die Leiche nicht dort versteckt war, wo der Leser es vermutet, macht die deutlichen Anleihen an den Film „Hasch mich, ich bin der Mörder“ (mit Louis de Funes) ach nicht wett. Bitte mehr Originalität!

Mehr Originalität wünscht man sich auch beim letzten Krimi, „Rippenbiest“ von Brigitte Glaser. Wer den Film „Grosse Pointe Blank“ gesehen hat, wer auffällig viel finden, was ihm bekannt vor kommt in der Geschichte. Die große Enttäuschung in dem Krimi liegt dann auch darin, dass das Setting völlig austauschbar ist. Statt am Niederrhein könnte die Geschichte auch ohne Problem in München oder sonst wo spielen. Die Handlungsweisen der Figuren sind vorhersehbar, das Ende überrascht kaum, auch wenn es den Leser mit einem Fragezeichen zurück lässt. Das die Art des Tötens tatsächlich belegt ist, zeigt gute Recherche der Autorin, aber allein die Bezeichnung Sissi-Stich bringt so viel Ballast mit, dass man davon erdrückt wird. Eleganz geht anders!

Auch wenn ich jetzt mit den Niederrhein-Krimis durch bin, bin ich noch längst nicht fertig. Vielleicht gibt es sie ja noch, die richtig guten Regional-Krimis. Zwei Autoren haben mir auf jeden Fall Hoffnung gemacht. Ich für meinen Teil habe mir am vergangene Freitag einen neuen Tatort besorgt „Köln blut rot“. Mal sehen, wie da so geschrieben wird.

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