Grundkurs schreiben

In den letzten zwei Monaten habe ich bereits ich eine Menge Bücher zum Thema Schreiben verschlungen (und es werden noch viel mehr). Darunter war viel schlechtes, aber auch ein paar, die wirklich lesenswert sind. Diese kann ich auch guten Gewissens weiterempfehlen.


Statt an dieser Stelle einfach nur eine profane Liste zu präsentieren, möchte ich jeweils begründen, warum ich das vorgestellt Buch für sinnvoll halte. Den Anfang macht dabei „Der Roman: Eine Einführung“ von Christoph Bode. Wie der Title bereits erahnen lässt, geht es darin nicht um das Schreiben von Büchern, sondern um eine Einführung in die Geschichte und Entwicklung des Romans. Zu wissen, wie der moderne Roman sich entwickelt hat, welche historischen Wurzeln diese Literaturform hat, ist nicht nur für Leser von Büchern spannend, sondern gerade auch für Autoren wichtig. Wer selber schreibt, sollte zumindest eine Ahnung davon haben, auf welchem Fundament er das tut. Für mich ist das Buch wie ein Kompass, der mir hilft, den Weg nach Eldorado zu finden.

Was mit Eldorado gemeint ist, wird in „Erfolgreich Schreiben: Von der Kunst und Technik literarischen Schreibens“ von Claus Vainstain deutlich. Von ihm stammen so einprägsame Sätze wie

Wir schreiben aus einem Ungenügen an der Realität.

In seinem Buch geht es von den Grundlagen (ja, auch mit einem kleinen Ausflug in die Grammatik) zu den literarischen Formen, zur Perspektive und Figuren in einem Text. Sehr gut gefällt mir dabei, dass er gute Beispiele anderer Autoren nicht nur aufgreift, sondern sie gemeinsam mit dem Leser analysiert. Das Buch ist im Grunde ein sehr guter Deutsch Leistungskurs in kompaktester Form.

Sehr unterhaltsam (an nicht wenigen stelle habe ich laut lachen müssen) ist „Wie man den Bachmannpreis gewinnt: Gebrauchsanweisung zum Lesen und Schreiben“ von Angela Leinen. Sehr gut beleuchtet sie das Themenspektrum deutscher Bücher und warnt vor ausgetrampelten Pfaden:

Sichende Mütter, danebengegange Beziehungen, verloren Väter, Paarkrisen im Urlaub sind Standardsituationen der Literatur.

Daneben bringt sie immer wieder Beispiel von gelungener Literatur was dazu anregt, über den Horizont des bisher gelesenen hinauszugehen. Für angehende Autoren oder solche, die sich so fühlen gibt es praktische Tipps. Ihren Hinweis, dass man eben nicht immer alles beschreiben soll, damit genügend Raum für die eigenen Vorstellungen des Lesers bleiben, sollte so mancher „Bestseller“-Autor beherzigen.

Auf nicht wenigen Webseiten, die sich mit dem Thema schreiben beschäftigen, findet man die Empfehlung des Buches von Sol Stein „Über das schreiben„. Sehr anschaulich, wenn auch streckenweise etwas amerikanisch, vermittelt Sol Stein darin das grundlegende Handwerkszeug. So geht es unter anderem auch um die Frage, was ein spannender Romananfang ist, der den Leser ans Buch fesselt. Nicht ohne Grund gilt das Werk von Stein als Klassiker. Dieser Klassiker ist in der deutschen Übersetzung aber nur verdammt schwer zu bekommen. Die letzte Auflage Verlage Zweitausendeins ist wieder restlos verkauft, so das Taschenbuch gebraucht mittlerweile bei rund 66 Euro liegt. Neu hat es im Dezember noch 8,90 Euro gekostet. In einer gut sortieren Stadtbücherei müsste es allerdings möglich sein (Köln hat das Buch mindestens 2x im bestand), sich das Werk auszuleihen (oder man hat so wie ich extrem viel Glück).

Eingeschränkt empfehlenswert ist „Kreativ Schreiben: Handwerk und Techniken des Erzählens“ von Fritz Gesing. Zwar findet man nicht wenig Tipps im Buch, die einem weiter helfen könnten, es fehlt aber die fundierte Einbettung in den literarischen Kontext wie bei Vainstain. Gerade wenn man Vainstain und Gesing miteinander vergleicht, wird auch sprachliche Mängel in der Wissensvermittlung deutlich. Wer ein Buch über das schreiben gerade auch von spannenden texten verfasst, sollte genau das auch beherrschen. Vieles von dem, was Gesing schreibt, findet man auch bei James N. Frey. Von dessen Bücher, unter anderem „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ würde ich aber eher abraten. Frey schreibt nicht nur sehr schlecht, sondern vermittelt auch nur Wissen, um einen „verdammt“ unterdurchschnittlichen Roman zu schreiben. Meiner Meinung nach ist insbesondere der deutschen Buchmarkt (noch) durch eine größere Artenvielfalt geprägt. Viele Bücher haben dabei durchaus einen literarischen Anspruch, der sich eben nicht in ein Fünf-Akt-Raster eines Dramas (nach Gustav Freytag) pressen lassen. So gesehen hat das Buch von Fritz Gesing den Vorteil, dass es einem das lesen von Frey erspart.

Abschließend noch ein kleiner Ausblick: Der Bücherstapel auf meinem Schreibtisch ist noch längst nicht abgearbeitet. Hinzu kommt, dass es eine Menge zum Thema gibt, was ich noch gar nicht in meinen Händen hatte. Daher werde ich wohl in näherer Zukunft noch mal einen Beitrag zu weiteren Lesetipps verfassen – besonders wohl auch zum Spezialgebiet des Krimi-schreibens.

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