Stoffsammlung

Wenn man sich dazu entschließt, Krimis zu schreiben (wobei ich in meinem Fall anmerken muss: Es ist kompliziert..), findet man als aufmerksamer Zeitungsleser reichlich Material in einer handelsüblichen Tageszeitung.

Allein in den letzten sieben Tagen konnte ich mein Archiv wieder gut aufstocken. Ein Fall ist dabei, den ich besonders interessant finde und den ich deshalb auch mit Sicherheit verarbeiten werde. Der tödliche Unfall auf der Gorch Fock ist tragisch. Allerdings eine gute Vorlage für einen spannenden Krimi. Ein abgeschlossener Raum (Segelschiff), ein fast homogener Personenkreis und dazu auch noch der nautische Hintergrund. Ich muss nur die Augen zu machen, schon springt bei mir der innere Filmprojekte an.

Auf der anderen Seite gibt es auch Themen, von denen ich die Finger lasse. Über den Fall Mirco werd ich nicht schreiben. Dabei hat das nichts mit dem konkreten Fall zu tun, sondern mit einer bestimmten Art von Verbrechen. Ich will nichts schreiben, wo Kinder Mordopfer werden. Das hängt damit zusammen, welche Art von Krimi ich schreibe. Ich hatte einleitend erwähnt, dass es bei mir etwas komplizierter ist. Wenn man es genau nimmt, dann ist mein erster Roman, „Altmetall am Altrhein“ kein Krimi, sondern etwas, was unter den Begriff der „Verbrechensliteratur fällt“. Für diese gilt nach Peter Nusser (in: Der Kriminalroman), dass sie nach Ursprüngen, Motiven und Wirkungen des Verbrechens forscht. Es geht in ihr also um den Sinn eines Verbrechens, soweit man davon sprechen kann. Im Krimi dagegen stehen Aufklärung und Überführung des Täters im Vordergrund.

Auch wenn ich mich nicht nur stilistisch noch erheblich verbessern muss, so hat mir mein erster Roman eine Richtung aufgezeigt, die mir gefällt. Ursache und Wirkung zu untersuchen, hinter die Figuren zu blicken, ihre Motive zu zeigen, finde ich reizvoll. Nichts ist schwarz oder weiß, jede Tat hat eine Vorgeschichte. In „Altmetall am Altrhein“ kann man am Ende verstehen, warum was den Mörder zu seiner Tat getrieben hat.

Im Fall von Mirco will ich das nicht. Ich will nicht etwas schreiben, wo der Leser Verständnis für den Täter entwickeln könnte. Mord an Kinder ist, so lässt sich das auf den Punkt bringen, ein Tabuthema für mich. Sich damit auseinander zu setzen, warum sich jemand selbst ein Bein absägt, ist zwar ekelig, aber ich kann mich mit den Motiven auseinandersetzen, mich ein Stück in die Person hineinversetzen. Bei einem Kindermörder will ich das nicht. Mag sein, dass auch ein Stück Selbstzensur mit hineinspielt, aber solche Taten gehen mir einfach zu nah. Wenn ich allein die Zeitungsberichte lese, muss ich schon schwer schlucken. Vermutlich bin ich aber nicht der Einzige, dem es so geht.

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