Die Landkarte meiner Sprache

Je mehr ich zur Zeit über das Schreiben lese, desto bewusster wird mir die Sprache. Es ist erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit man im Alltag kommuniziert, ohne sich der Vielzahl von Regeln bewusst zu sein. Im Regelfall kommt man mit drei Zeitformen aus (Präsens, Futur I und Präteritum), die man mehr oder weniger unbewusst verwendet.

Das es so was wie Grammatik gibt, merken die meisten von uns dann, wenn ein Satz sich nicht richtig anfühlt. Dabei ist Grammatik selber etwas, was wir zum letzten Mal in der Schulzeit gehört haben. Tief im Unterbewusstsein wissen wir, dass es sie gibt oder zumindest geben könnte. Genauso verhält es sich mit vielen Wörtern, Begriffen. Wir verstehen sie, wenn wir sie hören oder lesen, aber würde wir selbst zum Beispiel von einem Stecken sprechen?

Ein schöner Begleiter bei der (Wieder-)Entdeckung der eigenen Sprache ist das Buch von Claus Vainstain „Erfolgreich Schreiben. Von der Kunst und Technik des literarischen Schreibens“. Beim lesen des Buches wird einem unter anderem klar, was Konnotationen sind und wann es davon zu viel gibt wie in dem Beispiel „Er lauerte ihr heimlich auf“.

Zur Verbesserung meines aktiven Wortschatzes habe ich mir pro Woche einmal Scrabble spielen verordnet. Vermutlich wird das aber nicht reichen, so dass ich mir noch was anderes überlegen muss. Es gibt aber auch Fälle beim schreiben, wo weniger mehr ist. Mehrfach bin ich jetzt schon auf die Empfehlung gestoßen, sich auf sagt / sagte zu beschränken, statt Sätze zu schreiben wie „‚Es geht mir gut‘, stöhnt er.“ oder ‚Es geht mir gut‘, log er. Wie unter anderem Elmore Leonard im Interview mit dem SZ-Magazin sagt, spricht bei der Verwendung anderer Verben nicht die Figur, sondern der Autor. Zudem: man sollte man tatsächlich probieren, einen Satz zu stöhnen, dann wird man feststellen, wie blödsinnig die Verwendung des Verb eigentlich in dem Zusammenhang ist.

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