Die Sache mit Tim

Weder das genau Datum, der Monat, nicht mal die Jahreszeit ist mir in Erinnerung geblieben. Trotzdem hat sich der letzte Geburtstag von Tim tief in mein Gedächtnis gegraben.

Tim war einer von uns, dachten wir immer. Gut, dass ein Schraubenzieher kein Eispikel ist, mit dem man einem Eisfach mangels Eiswürfel zu Leibe rücken kann, hätten auch wir, betrunken wir damals waren, nicht gewusst. Zum Glück war die Gefährlichkeit von FCKW damals noch kein Thema und der neue Kühlschrank auch viel leistungsfähiger. Wobei düse Sache vor dem letzten Geburtstag passiert. Damals waren wir alle gut drauf, hatten unseren Spaß, während wir wir trotzdem zunehmend erwachsener wurden.

Tim war auch immer gut drauf, kannte viele Leute. Das er seinen Geburtstag groß feiern wollte, wunderte daher keinen von uns. Das große Büfett, was er auffuhr, hätte für alle, die eingeladen waren, vermutlich gerade so gereicht. Das wir, die Pünktlichen, die Ersten waren, wunderte weder uns noch Tim nicht, der frühen Abend noch gut gelaunt war. Diese Laune aber verfinsterte sich mit jeder weiteren Stunde. Vom Büfette wurde nicht viel gegessen. Kein Wunder, denn außer uns war niemand gekommen. Selbst die besten Freunde von Tim schienen ihn vergessen zu haben. Es wurde mit Abstand traurigste Geburtstagsfeier, die ich je erlebt hatte.

Tim kannte so viele und es waren sind wenige gekommen. Ich, der ich viel weniger kannte, fragte mich, ob es nicht bei mir genauso sein könnte. Ein Geburtstag, an dem keiner kommt. Das war der Zeitpunkt, wo ich für mich den Entschluss fasste, nie wieder in meinem Leben selber Geburtstag zu feiern. Wer in die Augen von Tim am Ende dieses Abends geblickt hätte, wäre vermutlich zum gleichen Entschluss gelangt.

Tim ist das Ganze nicht bekommen. Er fand neue Freunde, vor allem einen, der die Grenze für uns darstellte, die wir nicht überschreiten wollten. Als Tim Bucht aufhörte damit, Drogen zu nehmen, war ich nicht der Einzige, der sich endgültig von ihm abwendete. An seinem letzten Geburtstag waren nicht viele da, aber als er beerdigt wurde, lag er ganz allein in der kalten Erde.

Um meinen Geburtstag herum stelle ich seither eine Kerze ins Fenster. Nicht für mich, sondern im stillen Gedenken an Tim, dessen Geburtstag so viele vergessen hatten. Während ich dem Feuer beim herunterbrennen der Kerze zuschaue, versuche ich, das Klingeln des Telefons zu ignorieren. Irgendwann am Abend gibt es endgültig Ruhe, ich mach mir nicht mal die Mühe, die verpassten Nachrichten zu zählen, bevor ich sie lösche. Bevor ich ins Bett gehe, gieße ich mir noch ein Glas Southern ein, mit viel Eiswürfeln, so wie Tim dama

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