Gerne gezahlt

Gerne gezahlt

Über Sinn oder Unsinn der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) wird in Deutschland genauso häufig gesprochen wie über das Wetter. Die gesamte Bandbreite der Argumente auszubreiten, ist ein mühsames Unterfangen, ein Nicht-Vergnügen, welches man besser anderen überlässt.

Interessanter ist es, seinen Blick auf das zu richten, was mit dem Geld gemacht wird. Schnell fliegen unsere Augen über die Fernsehzeitung, nur um zu einer Erkenntnis zu gelangen, die als Vorurteil längst in uns wohnt. Das was ARD und ZDF da senden, entspricht nicht unserem Geschmack, sei viel zu seicht und überhaupt. Viel Geld für wenig Inhalt. Was sich bei so einer Meinung aber der eigenen Wahrnehmung entzieht, ist die Bandbreite dessen, was aus den Gebühren finanziert wird. Neben den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern (zu denen auch weit mehr gehört als nur ARD und ZDF) gibt es auch noch die breite Palette des Rundfunks. Radio, ist das nicht schon tot?

Das Radio für bereits beerdigt zu halten, weil man das Medium für nicht mehr zeitgemäß hält verkennt, wie lebendig es tatsächlich ist. Einfach nur zuhören, dafür muss man nicht mal im Bett liegen, krank und unfähig sein, ein Buch zu halten, Tausende Menschen in diesem Land kaufen jeden Tag ein Hörbuch. Auch da ist, genauso wie Radio, aufs zuhören angewiesen.

Kommen wir von einem hinkenden Vergleich zu dem, was einem rund um die Uhr für einen vergleichsweise geringen monatlichen Betrag im Radio geboten wird. Ein breites Spektrum von Information, Unterhaltung, Kultur und Bildung. Wer wiederum wie beim Fernsehen der Meinung ist, es würden nur Charts gespielt, der hat abermals einen viel zu engen Blickwinkel.

In Nordrhein-Westfalen für das öffentlich-rechtlich Radio zuständig ist der WDR, der mehr als fünf Sender im Program hat, jeder mit einer ganz bestimmten Ausrichtung. Für mich interessant ist neben dem eher seichteren, aber dennoch spritzig unterhaltsamen, Programm von 1Live, dass Angebot von WDR 3. Jazz, Klassik und Sendungen, dir den eigenen Horizont erweitern. Wer sich die Mühe macht, im umfangreichen Internetangebot der Sender zu stöbern, wird eine ganze Perlenkette für sich entdecken können. Sogar eine eigene kostenlose Applikation für Windows / Mac OS X hat der WDR zu bieten. Mit der lässt sich nicht nur das aktuelle Programm anhören, sondern auch mitschneiden. Damit einem keine interessante Sendung entgeht hilft ein ausführlich Programmführer mit thematischen Vorschlägen.

Allein für das Spezial am vergangenen Samstag auf WDR 3 zum Thema Balladen hat sich die Rundfunkgebühr schon gelohnt. Was da in zwei Stunden präsentiert wurde, lässt so manchen Deutschunterricht blass aussehen. Der Bogen spannte sich über Zeit und Landesgrenzen hinweg. Neben irischen Balladen, deutschem Bänkelgesang, Vicco von Bülowmit Advent gab es auch einen Ohrwurm, der sich bei mir festgesaugt hat. Die Dreigroschenoper. Die Moritat von Mackie Messer in der Interpretation von Reinhard Firchow ist Kultur, für die man gerne zahlt. Wem die Dreigroschenoper nicht sagt, der sollte unbedingt seine Bildungslücke in den Weihnachtsferien schließen – es lohnt sich auf jeden Fall.

One Reply to “Gerne gezahlt”

  1. Sehr schön dargestellt. Trifft genau das was ich auch denke, wenn ich im Auto z. B. Bayern 2 höre. Interessant sind oft auch die online-Angebote der Sender. Die Leute schimpfen über die Gebühren, kaufen sich aber teure Hörbücher und lassen andereseits die von ihren Gebühren finanzierten (und damit ja keineswegs kostenlosen) zum Dopwnload bereitgestellten Podcasts und Hörspiele links liegen.
    Ist vielleicht auch noch nicht bekannt genug, was es da alles gibt. Ich bin auch noch nicht soweit, bewusst nach zu schauen, sodaß ich auf Zufallstreffer setze. Hier ein überlichtliches senderübergreifendes Programm mit Tipps, das wäre sicher ein interessantes Angebot.
    Weiss vielleicht jemand, ob es sowas schon gibt?

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren