Jugend schützt Blogsterben

Kurz vor Jahresende geht ein Raunen durchs deutsche Web. Aufgeschreckt durch die Neuregelung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) welche zum 01.01.2011 in Kraft treten sollen, werden in vorauseilendem Gehorsam Blogs geschlossen.

Um die rechtlichen Aspekte des Themas zu beleuchten, fehlt mir, ganz offen gesagt, das notwendige Fachwissen. Der geneigte Leser mag es daher an anderer Stelle nachlesen, zum Beispiel bei Udo Vetter oder die Auslegung der FSM. Meiner persönlichen Meinung nach wird zum Teil mit einer gehörigen Portion Halb- oder schlimmer noch Nichtwissen diskutiert. Das Beste wäre, erstmal abzuwarten und vor allem nicht in Panik seinen Blog dicht machen. Genau das wird auch hier die Philosophie sein. Ich betreibe diese Webseite schon zu lange, als das ich einfach von heute auf morgen damit aufhören würde.

Nicht ausschließen kann man wohl, dass einige Seitenbetreiber jetzt die Neuregelung zum Anlass nehmen, ihre Blogmüdigkeit mit einem politischen Anstrich zu versehen. Ganz ehrlich, es interessiert außerhalb des Netzes niemanden, wenn man seinen Blog einstellt. Man verliert nur selber dabei ein Stück seiner Identität.

Genau das ist es, was mein Blog mir bedeutet. Er ist ein Teil meiner Identität. Davon trennt man sich nicht einfach so. Über Sinn und Unsinn des deutschen Jugendschutzes kann man trefflich streiten. Auch mir gehen einige Auswüchse etwas zu weit, besonders dann, wenn ein Produkt mit USK 18 Kennzeichnung immer noch geschnitten ist. Aber das wäre jetzt ein ganz anderes Thema. Fakt ist, dass es im Web zu viele Inhalte gibt, die definitiv nicht für Kinderaugen gedacht sind. Da eine verantwortungsvolle Lösung zu finden, ist sicherlich nicht einfach. Das Beste aus meiner Sicht wäre eine breite gesellschaftliche Diskussion über die künftige Gestaltung des Jugendschutzes.

Das Blogs massenhaft ab dem 1. Januar 2011 geschlossen oder deren Betreiber per Klage in den finanziellen Ruin getrieben werden, kann ernsthaft niemand wollen. Das Internet wäre ärmer ohne sie. Sollte es aber dennoch so politisch beabsichtig sein, dann ist es eine falsche Politik, der man mit aller Entschiedenheit entgegen treten muss. Blogs sind auch in Deutschland ein Stück Kultur. Wer sie schließen will, betreibt eine Kulturvernichtung! Dagegen gelte es dann zu kämpfen.

Bis auf weiteres aber sollte man sich an den Ausspruch meiner Großmutter halten: „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Warten wir also ab.

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