Am Ende des Weges

Hinter mir liegt eine Strecke von 30 Tagen. Den ganzen November über habe durchgehalten, bin den Weg zu Ende gegangen, den ich eingeschlagen hatte.

All die Jahre über hatte ich immer den Wunsch, bis zu meinem 40. Geburtstag einen Roman zu schreiben. Immer wieder fand ich Gründe, warum mir dies nicht möglich war. Nicht wenigen geht es vermutlich genau so. Es findet sich leicht etwas, was man vorschieben kann. Ende Oktober waren es nur zwei Monate, die mich trennten von meinem Geburtstag und dem Eingeständnis, bis dahin nichts zu Papier gebracht zu haben, was über eine Kurzgeschichte hinausgeht.

Mehrere Erlebnisse seit dem Umzug nach Köln hatten aber dazu geführt, dass ich zum ersten Mal von National Writing Month erfuhr. Schnell war mir klar: jetzt oder nie mehr. Ziel des NaNoWriMo ist es, innerhalb des Novembers eine Erzählung von mindestens 50.000 zu schreiben, was in etwa 180 Seiten eines Taschenbuches entspricht. Das ist genauso viel, wie es sich anhört. Damit so was gelingt, ist eiserne Disziplin notwendig, um auf 1.679 Wörter pro Tag zu kommen.

Von Anfang an fehlte mir der Glaube, das ich es bis zum Ziel schaffen würde. Mir war es dennoch wichtig, einfach los zu laufen, zu sehen, wann und wie weit ich vor der Ziellinie zusammenbrechen würde.

Tatsächlich jedoch habe och es am frühen Sonntag Nachmittag geschafft, fertig zu werden – zwei Tage vor dem offiziellem Ende des NaNoWriMo. In den unter mir liegenden Tagen habe ich viel gelernt. Über mich selber, über das Schreiben und vor allem über zwei ganz unterschiedliche Sichtweisen. Es gibt, so möchte ich behaupten, eine typisch deutsche Betrachtung des Schreibens, der etwas elitäres innewohnt. Dieser Sichtweise steht die anglo-amerikanische Position gegenüber, die die Meinung vertritt, das man schreiben wie ein Handwerk lernen kann. Der Ansatz des Creative Writings ist mir persönlich wesentlich sympathischer als die verkopfte Herangehensweise, die mich stark an meinen Deutsch Leistungskurs erinnert. Damit weckt man keine Freunde an Literatur, sondern zerstört Phantasie.

Ich möchte mich aber an dieser Stelle nicht in Details verlieren. Wer einen Eindruck bekommen will, sollte sich zwei Bücher anschauen: Sol Stein, „Über das Schreiben“ und das sehr deutsche „Wie man ein verdammt guter Schriftsteller wird“. Danach dürfte die beiden Pole deutlich erkennbar vor einem liegen.

Am Ende des Weges ergeben sich für mich mehrere Fragen. Auf zwei davon möchte ich an dieser Stelle eingehen. Die eine oder der andere, der nicht im November als Leser von Bord gegangen ist, möchte sicher genauso wie ich wissen, wie es hier im Blog weiter geht. Normal erstmal, also so wie vor dem November mit einem Mix aus Themen. Allerdings werde ich bei den Kategorien ausdünnen. Schwerpunkte werden Alltag, Politik und Gesellschaft so wie das Schreiben bilden. WordPress Tipps oder ähnliches ist besser anderswo aufgehoben.

In Bezug auf das Schreiben habe ich Blut geleckt. Die erste Ideen für die nächste Erzählung habe ich schon. Diesmal werde ich allerdings systematischer vorgehen und das Pensum in der Schreibphase Anfang nächsten Jahres etwas niedriger ansetzen. Wer weis, vielleicht entsteht irgendwann einmal sogar ein Roman, der von einem Verlag ins Programm genommen wird.

Die bisherigen Erfahrungen, Tipps zum schreiben und interessante Links zum Thema gibt es künftig in der Kategorie Schreiben. Die Kategorie Gehversuche wird nicht weiter geführt. Dafür gibt es „Romanwerkstatt“, sobald es wieder in die Schreibphase geht.

Morgen freue ich mich schon darauf, die politische Brille nach langer Zeit wieder an dieser Stelle aufzusetzen. Eins noch: die Erzählung, die im November entstanden ist, wird es in Buchform zu Weihnachten für meine Familie geben. Sofern Nachfrage besteht, würde ich auch ein Lulu-Projekt (oder vergleichbares) anlegen, über das man sich dann ebenfalls ein Exemplar bestellen kann.

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