Reinhard Tellmann saß in einem Zimmer des Seniorenheims Abendsonne. Er hatte sich schon komplett umgezogen. Gleich würde er seinen Auftritt als Nikolaus haben. Knecht Ruprecht ließ sich im Zimmer nebenan von seiner Verlobten schminken. Annemarie Becker hatte sich dazu entschlossen, ihre Promotion nicht zu beenden. Mit Hilfe von Gisela hatte sie eine Stelle in der Xantener Stadtbücherei gefunden. Keine Dauerlösung, aber fürs erste reichte ihr das wohl. Mit Archäologie wollte sie nichts mehr zu tun haben. Tellmann dachte in letzten beiden Wochen zurück. So viel war passiert, nach dem Kriminalkommissar sie einfach im Gemeindehaus hatte sitzen lassen, ohne jegliche Erklärung. Ein paar Tage später hatte er sich bei Tellmann dafür allerdings entschuldigt. Küppers hatte ihm auch erzählt, das der Mörder von Professor Dr. Rodenkirchen gefunden worden war. Wie immer hatte sie der alte Wienmann nach der Obduktion um die Leiche gekümmert. Bei der Obduktion, so hatte Küppers berichtet, wurde im Gehirn von Peter Jänsch, so hieß der Mörder wohl, ein Tumor entdeckt. Wie ebenfalls zu erfahren war, hatten sich die Eltern von Jänsch selber getötet. Ausschlaggeben war wohl dass die Mutter von Jänsch Krebs im Endstadium gehabt hatte. Die letzte Tote auf dieser Liste der Ereignisse war Schwester Agnes. Bei ihr war aber weder Krankheit noch Gewalt im Spiel gewesen. Sie war friedlich entschlummert. Als man sie in ihrer Zelle im Kloster fand, hatte sie einen den Kelch im Arm. Welches Geheimnis dieser noch barg, würde Tellmann wohl nie erfahren. Es klopfte an seiner Tür. Von unten konnte er schon die Senioren singen hören. “Nikolaus komm in unser Haus”.
