Am Ende kein Druck

Pünktlich zum Beginn der Frankfurter Buchmesse beginnt wie seit einigen Jahren schon der Abgesang auf das E-Book.

Moment, wird man sich fragen, soll nicht das E-Book die Zukunft sein? Theoretisch wird ihm tatsächlich ein großer Platz eingeräumt, aber es scheint eine Art Sport zu sein, ihm diesen sofort wieder streitig zu machen.

Dabei schreitet die technische Entwicklung voran. Die Geräte werden immer besser, aber egal wie sehr sich das E-Book auch anstrengt, an der Tür zum Buchclub stehen ein paar gewichtige Klassiker, die immer wieder den Einlass verweigern.

Warum trotz vieler Vorteile das E-Book in Deutschland noch ein Schattendasein fristet, lässt sich nur mit Emotionen, Vorbehalten und vor allem Vorurteilen erklären. Dieses merkwürdige Beharren darauf, dass ein Text erst zum Text wird, wenn er gedruckt ist, lässt sich schwer begreifen.

Vielleicht aber ist das genau der Schlüssel. Der unbedingte Glaube daran, dass begreifen immer mit dem habtischen greifen zusammen hängt. Wer einen Text, ein Buch nicht in den Händen hält, kann ihm einfach nicht begreifen.

Dabei wird übersehen, dass die Qualität einer Idee, eines Textes oder Buches nicht von der Qualität des Papiers abhängt. Wer sich auf diesen Standpunkt stellt, wertet auch jegliche Form der mündlichen Überlieferung als minderwertig ab.

Ob man tatsächlich in einen Roman als Leser eintauchen kann, hängt in erster Linie vom geschriebenen ab. Die Form spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Eine Erzählung bleibt die selbe, wenn sie vorgelesen, vorgetragen wird. Wäre dem nicht so, würden Verlage keine Autorenlesungen veranstalten.

Nicht leugnen lässt sich dagegen die Bedeutung des Schriftbildes. Schriftart, Schriftgröße, Zeilenlänge – das ganze Handwerkszeug der Typographie . Die Regeln für die Erstellung eines lesbaren Textes gelten nicht nur für auf Papier gedrucktes, sondern auch für elektronisches.

Die Vorbehalte gegenüber dem E-Book sind bedingt durch die Angst, Besitz zu verlieren. Bei den Lesern ist es der physikalische Besitz in Form von Büchern, die in Regalen vor sich her stauben, nur um gelegentlichen Besuchern zu zeigen, wie intellektuell man ist.

Bei den Verlagen ist die Angst, die Kontrolle über Texte und den Vertrieb von Büchern zu verlieren. Ihre Vorbehalte gegenüber E-Books dienen tatsächlich der Besitzstandswahrung.

Raubkopien von digitalen Büchern sind, insbesondere angesichts horrender Preise für elektronische Werke, sicher ein Thema. Es bedroht aber nicht die Verlage in ihrer Existenz. Viel bedrohlicher wäre eine Art App.-Store für E-Books. Wo jeder Autor seine Texte einstellen und den Kaufbetrag festlegen kann. Das Programm Pages von Apple kann mittlerweile in das epub-Format speichern.

Wo kämen wir denn hin, wenn plötzlich jeder schreiben und sein Buch veröffentlichen könnte? Möglicherweise zu einer neuen Kultur des Lesens und Schreibens, in der auch Autoren abseits des von Verlagen gesteuerten Mainstreams größere Chancen hätten.

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