Worte statt Torte

Worte statt Torte

Meinungsverschiedenheiten, unterschiedliche Ansichten, was auch immer. Sie gehören zu einer Gesellschaft dazu. Mittlerweile sollten wir auch einen Grad der Zivilisation erreicht haben, wo Auseinandersetzungen mit Worten erfolgen – zumindest im Rahmen einer politischen Diskussionsveranstaltung.

Der Anschlag auf Jürgen Trittin zeigt leider, das dem nicht so ist. Man kann zwar verharmlosend von einer Tortenattacke sprechen. Letztendlich, egal mit was geworfen wurde, bleibt es ein Anschlag. Die geworfene Torte sagt: Ich kann dich nicht mit Worten überzeugen oder umstimmen, deswegen vernichte ich dich physisch.

Sicher, außer etwas Joghurt auf dem Jacket bleibt oberflächlich nicht viel zurück. Psychisch ist aber auch eine Torte eine Belastung. Der Täter bringt zum Ausdruck, dass er nicht nur die Sicherheitsvorkehrungen umgehen konnte, sondern auch wen es es gewollt hätte, einen anderen Gegenstand hätte werfen können.

„Sieh her, ich habe Macht über dich” ist die Botschaft des Täters. So harmlos die Torte erscheinen mag, so gefährlich ist das, was sie nicht nur mit dem Opfer des Wurfs anrichtet. Sie ist Ausdruck des Versagens. Des Versagens, miteinander zu reden und Konflikte friedlich zu lösen. Auch ist sie Ausdruck der Ohnmacht. Der Täter scheint keine andere Option mehr zu haben, als sich auf diese Weise Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Wer meint, der Tortenwurf wäre eine legitime Form, „Kritik in die Öffentlichkeit zu tragen” kann einem nur leid tun. Gewalt, und sei sie noch so niederschwellig, ist niemals eine legitime Form der Auseinandersetzung.

6 Replies to “Worte statt Torte”

  1. Super, genau der Meinung bin ich auch. Für mich hat sich sowohl der Täter, wie auch das Mädel, welches den Wurf in Ordnung fand, für jede weitere Politische Diskussion disqualifiziert.

    Übrigens @Oliver, dem Text ist doch noch etwas hinzuzufügen, nämlich das Wort „nicht“
    Wo das hingehört, dass überlasse ich dem Autor, aber er wird das fehlende „nicht“ sicher noch finden ;-)

    1. „Des Versagens, miteinander zu reden und Konflikte friedlich zu lösen.“ Wenn ich da jetzt ein „nicht“ unterbringen, hört sich der Satz irgendwie komisch an. Doppelte Negierung.

  2. heißt es nicht: „Die Gewalt geht vom Volke aus!“? – Okay, es gehen nicht nicht die Torten vom Volke aus… – aber wer seine Meinungsäußerung darauf reduziert, sich nicht zu äußern und seine Rechte einfach so abzugeben…

    … der tut mir leid!

  3. Um den Satz geht es gar, eher um den hier : „Die geworfene Torte sagt: Ich kann dich mit Worten überzeugen oder umstimmen, deswegen vernichte ich dich physisch. “
    Da fehlt ein „nicht“ zwichen „Ich kann dich“ und „mit Worten überzeugen“ ;-)

    Lieben Gruß

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren