Worte statt Torte

Meinungsverschiedenheiten, unterschiedliche Ansichten, was auch immer. Sie gehören zu einer Gesellschaft dazu. Mittlerweile sollten wir auch einen Grad der Zivilisation erreicht haben, wo Auseinandersetzungen mit Worten erfolgen – zumindest im Rahmen einer politischen Diskussionsveranstaltung.

Der Anschlag auf Jürgen Trittin zeigt leider, das dem nicht so ist. Man kann zwar verharmlosend von einer Tortenattacke sprechen. Letztendlich, egal mit was geworfen wurde, bleibt es ein Anschlag. Die geworfene Torte sagt: Ich kann dich nicht mit Worten überzeugen oder umstimmen, deswegen vernichte ich dich physisch.

Sicher, außer etwas Joghurt auf dem Jacket bleibt oberflächlich nicht viel zurück. Psychisch ist aber auch eine Torte eine Belastung. Der Täter bringt zum Ausdruck, dass er nicht nur die Sicherheitsvorkehrungen umgehen konnte, sondern auch wen es es gewollt hätte, einen anderen Gegenstand hätte werfen können.

„Sieh her, ich habe Macht über dich” ist die Botschaft des Täters. So harmlos die Torte erscheinen mag, so gefährlich ist das, was sie nicht nur mit dem Opfer des Wurfs anrichtet. Sie ist Ausdruck des Versagens. Des Versagens, miteinander zu reden und Konflikte friedlich zu lösen. Auch ist sie Ausdruck der Ohnmacht. Der Täter scheint keine andere Option mehr zu haben, als sich auf diese Weise Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Wer meint, der Tortenwurf wäre eine legitime Form, „Kritik in die Öffentlichkeit zu tragen” kann einem nur leid tun. Gewalt, und sei sie noch so niederschwellig, ist niemals eine legitime Form der Auseinandersetzung.

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