Digital egal

Bücher sind was schönes. Einen Roman in den Händen zu halten, sie Seiten umzublättern, die Seiten zu fühlen. Das habtische Erlebnis Buch ist unbestritten ein Teil des Lesegenusses.

Wer mit seiner Büchersammlung umzieht, wird in erster Linie die Last der vielen Seiten spüren. Bücherkisten neigen dazu, ungemein schwer zu sein. Auch wird man, sofern man sich nicht Büchern trennt und kontinuierlich weiter liest und sammelt, irgendwann an eine physikalische Grenzen stoßen. Der letzte Regalmeter ist vollgestellt, die Wohnung gefühlt zu klein für neue Regale. Wer es sich leisten kann, wird wieder umziehen. Wer sich trennen kann, reduziert seinen Bestand. Wenn man weder das Eine noch das Andere kann, hat man ein Problem.

Auch wenn das haptische Erlebnis fehlt, so verspricht die digitale Form eines Buches, dass so genannte E-Book eine Alternative zu sein. Elektronische Bücher nehmen keinen physikalischen Raum ein. Auf eine der Reader, den man zum besseren lesen dem Computer vorziehen sollte, passen hunderte von Büchern. Die Geräte haben haben mittlerweile eine Qualität erreicht, wo sie eine ernstzunehmende Alternative zum Buch darstellen.

Zur diesjährigen Buchmesse wird es eine ganze Reihe neuer Geräte geben. Selbst Buchhändler mischen mittlerweile mit. Für sie scheint es vielversprechend zu sein, über die Hardware die Kunden zu binden.

Dabei ist es gerade Bindung, die die Kunden zögern lässt. Nicht nur die Bindung an einen Händler, der exklusive Inhalte für das Gerät zur Verfügung stellt wie amazon.de, auch nicht die Bindung der Bücher an das Gerät, was ein Ausleihen von Büchern an Freunde und Bekannte verhindert.

Besonders ärgerlich ist jedoch die Buchpreisbindung, die zur absurden Situation führt, dass E-Books genauso viel kosten wie die Hardcover-Ausgabe eines Titels. Hörbücher dagegen fallen nicht unter die Buchpreisbindung und sind entsprechend deutlich günstiger.

Niemanden wird es daher wundern, dass der Erfolg des E-Books nach wie vor in Deutschland auf sich warten lässt. Die Verlage klammern sich mit aller Macht an einen Zustand, der nicht nur kundenfeindlich ist. Auch Autoren könnten bei E-Books ein höheres Honorar bekommen. Warum das jedoch nicht so ist und nicht so sein wird, verdeutlich Reimer Ochs, Justiziar beim S. Fischer Verlag, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet:

Er bezeichnete die Forderungen Andrew Wylies nach einem deutlich höheren Autorenhonorar für E-Books als illusionär. Sie beruhten auf einer eklatanten Fehleinschätzung der Herstellungskosten eines elektronischen Buches. Die Entwicklung von Kopierschutzmechanismen, der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent, zusätzliche Infrastrukturkosten für den Online-Vertrieb und vor allem der sehr aufwendige Prozess der Digitalisierung – all das mache das Geschäft mit dem E-Book im Vergleich zur Printausgabe sogar weniger einträglich

Das die Digitalisierung ist enorm aufwendig ist, lässt sich schwer nachvollziehen. Mittlerweile lassen sich Bücher im verbreiteten epub-Format sogar aus Apples Textverarbeitung Pages heraus erstellen. Was noch fehlt, wäre die Möglichkeit, ähnlich wie bei Apps im iTunes Store selber Bücher über Apple zu verkaufen. Für die Verlage wäre das der Punkt, an dem sie sich fragen müssen, warum die Dinosaurier ausgestorben sind.

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