Deutschland ohne Christen

Deutschland ohne Christen

Mühsam, sehr mühsam ist, sich durch das unsägliche „Deutschland schafft sich ab” zu quälen.

Das liegt nicht nur an Sätzen wie diesem:

Die Abhängigkeit von staatlichen Transfers ist oft begleitet von einem niedrigen Niveau allgemeiner und beruflicher Bildung, von Suchtverhalten und von persönlichen Defiziten unterschiedlichster Art.

sondern auch an der Vielzahl Tabellen, mit der Sarrazin versucht, seine Thesen zu stützen. Ein reiner Zahlenmensch. Eigentlich hätte er auch Zahlen vorlegen können, aus denen hervorgeht, was ein geistig behinderter Mensch den Steuerzahler Tag für Tag kostet.

Dieses Aufrechnen, die reine Beurteilung der Nützlichkeit eines Menschen durch dem Autor sind schon schlimm. Schlimmer noch aber ist der Zuspruch, den Sarrazin erfährt. Es macht betroffen, wie nicht wenige über Gefallene denken. Mir fällt dazu das Gleichnis vom barmherzigen Samariter ein:

Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halbtot liegen.

Es traf sich aber, daß ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber.

Desgleichen auch ein Levit: als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.

Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn;

und er ging zu ihm, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.

Lukas 10, 30-36

Möglich, dass Muslime einigen Menschen deshalb Angst machen, weil ihnen klar wird, dass sie die Verbindung zu ihrer eigenen Religion längst verloren haben.

Wäre Sarrazin weiter gegangen wie der Priester, oder hätte er geholfen, wie der Samariter – diese Frage lässt sich schwer beantworten. Deutlich sagen lässt sich aber, dass seine Äußerung unchristlich, unmenschlich sind. Es wird sich noch zeigen, welchen dauerhaften Schaden sein Buch anrichten wird, denn es vergiftet die Herzen der Menschen.

4 Replies to “Deutschland ohne Christen”

  1. du hast das Buch gelesen?
    Ich bin noch am Überlegen, ob ich dies tun soll…
    Das hin und her in den Medien war auf jeden Fall eine gelungene Promotionaktion.
    Nicht nur für Herr Sarrazin, auch für gewisse Politiker und Talkshow-Moderatoren die sonst durch das Sommerloch völlig in Vergesseneheit geraten wären!

  2. Schleicht sich da durch die geschickte Reihung „unchristlich, unmenschlich“ die Ansicht ein, einzig wer Christ ist, handelt auch menschlich, will sagen moralisch richtig?

    Ich habe vielleicht noch eine falsche Annahme entdeckt: Die Bevölkerungsgruppen, von denen Sarrazin schreibt, sind nicht kollektiv Opfer von „Räubern“, etwa einer Gesellschaft die ihnen keine Chancen bietet. Dazu kenne ich zuviele Migrantenkinder, mit denen ich studiert habe und im Job zusammen arbeite.

    Zu einigen „Fakten“ habe ich erstaunlicherweise einen ganz guten Artikel gefunden, der Sarrazins Aussagen zur Intelligenz und Vererbung mit dem aktuellen Stand der internationalen Intelligenzforschung vergleicht. Willste ma gucken? http://www.darwin-jahr.de/evo-magazin/unterdrueckung-intelligenzforschung?page=0,0

    Zahlenberge zu sozialen Angelegenheiten haben immer etwas befremdliches. Aber sie helfen ab und zu viel besser, die richtigen Handlungen einzuleiten, als das Festhalten an alten oder romantischen Vorstellungen. Hier versagt Sarrazin IMHO übrigens auf ganzer Linie.

    Der Rest ist gut vorbereitete Provokation. Muss man sich nicht unbedingt drauf einlassen, aber zu viele haben es gemacht. Am Ende ist also seine wichtigste Rechnung leider aufgegangen ;o)

    1. Nein, auf keinen Fall ist es meiner Ansicht nach so, dass nur Christen menschlich handeln. Mich hat nur befremdet, dass gerade so genannte Christen zu dem, was Sarrazin schreibt, applaudieren.

  3. Hallo, tbolye: Aber es sind auch nicht nur Christen die applaudieren. Und sogenannte Christen implementiert ein wenig das sie eigtl. Christen sein müssten. Aber das Sarrazin sich in der Aufstellung seiner Statistiken sowie anschließenden Thesen verkalkuliert ist wahr.

    @AndreasK: Cooler Link!

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren