Am besten verklappen

Am besten verklappen

Während die SPD noch überlegt, ob und wie sie Sarrazin los wird, schafft die Bundesbank Fakten.

Auch wenn dunkle Limousine und Beton in der Garage bleiben, dürfte die Zeit von Thilo Sarrazin im Bundesbankvorstand vorbei sein.

Mit seinem Rauswurf werden allerdings keine Probleme gelöst, sondern nur ein Brandstifter freigestellt. Dieser wird dann noch mehr Zeit haben, um mit dem Benzinkanister durch Deutschland zu laufen.

Seine so genannten Thesen finden dabei bedauerlicherweise sogar fruchtbaren Boden, auf denen eine schreckliche Saar gedeihen kann. Geglaubt wird ihm unter anderem das Märchen von einem „jüdischen Gen”. Als ob die Religionszugehörigkeit genetisch definiert würde. Ob sich bei einem Christen die Gene ändern, wenn er zum Judentum übertritt? Werden Muslime klüger, wenn sie konvertieren?

Was Sarrazin anhaftet, ist der Geruch eines Technokraten, der mit dubiosen Statistiken versucht, nicht nur die Welt zu erklären, sondern auch einen Lösungsweg zur Hand hat.

Statt ein überflüssiges Buch zu schreiben, hätte er vor allem eins tun sollen: reden

Und zwar reden mit denen, die angeblich verantwortlich sind für den Untergang von Deutschland. Sagen sie doch mal Herr Sarrazin, mit wie vielen Moslems haben sie geredet? Welche Hauptschulen haben sie besucht? Waren sie tatsächlich schon mal in einer Moschee in Deutschland?

Viel zu oft ist es nämlich kein Urteil, sondern ein Vorurteil, was gefällt wird auf Grund von Dingen, die man gehört und gelesen haben will.

6 Replies to “Am besten verklappen”

    1. @boris: Ja, ich lese es gerade. Dauert aber etwas länger, weil mir immer wieder der Kaffee hochkommt. Allein schon die Begriffswahl wie zum Beispiel „Nettoproduktionsrate“ wenn es um Geburten geht. Oder allen Ernstes von bereits im Vorwort von Fäulnisprozessen in der Gesellschaft zu sprechen – dem Mann ist nicht mehr zu helfen.

  1. Der Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger sagt zur Sarrazin-Diskussion:

    „Im Kern geht es um das Selbstwertgefühl der linksliberalen Minderheit der Bevölkerung, die lange an die Idee der multikulturellen Gesellschaft geglaubt hat. Sie steht, wenn man die Probleme des Landes mit seinen Muslimen ernst nimmt, vor den Trümmern ihres Weltbildes, das sie gegen einen informierten Kritiker verteidigt.”

    Und weiter:
    „Der eher konservative Teil der Gesellschaft findet indes zunehmend, dass die Meinungsfreiheit in unserem Land de facto beschnitten würde: Martin Hohmann, Eva Herman, die Missbrauchsdebatte in der katholischen Kirche. Täuscht diese Wahrnehmung?“

    „Wir sind tatsächlich nicht in der Lage, bestimmte Sachfragen in der Öffentlichkeit mit Distanz und Gelassenheit zu diskutieren. Wir gehen sofort dazu über, Personen mundtot zu machen, die nicht konsensfähige Fakten präsentieren oder Meinungen äußern. Das steht im eklatanten Widerspruch zu dem Grundprinzip einer liberalen Demokratie.“

    editiert von tboley: Link zum Scan aus urheberrechtlichen Gründen entfernt

    1. Interessant ist, wo das Interview erschienen ist. Die Tagespost hat auch eine eindeutige politische Ausrichtung, was man nicht unterschlagen sollte.

      Zudem sind die Aussagen von Kepplinger auch fragwürdig. Es geht nicht um Einschränkung der Meinungsffeiheit (schließlich wurde ja kein Buch verboten) sondern darum, dass es gerechtfertigt sein muss, auf braunes Gedankengut zeigen zu dürfen, wenn es einem über den Weg läuft.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren