Acht auf Fünf

Monika Winter betrachtete ihre Fingernägel. Schön sahen die nicht aus. An ihnen hatte sich ihre Nervosität ausgetobt. Zum Glück würde Monikas Mutter nicht mehr deswegen schimpfen. Sie hatte sich bisher auch nicht darüber beklagt, nur einmal im Jahr Blumen, und die auch nur zusammen mit einem roten Licht, zu bekommen.

Trotzdem hatte Monika ein schlechtes Gewissen. Nicht wegen ihrer Mutter, sondern weil Paul die Fingernägelreste gefressen hatte. Jetzt ging es dem Dackel anscheinend nicht mehr ganz so gut. Sicher, er war immer schon etwas empfindlich, aber jetzt lag er auf seiner Decke und winselte nicht mal vor sich hin wie sonst.

Eigentlich war Paul viel zu ruhig. Monika sprang vom Küchentisch, auf dem sie gesetzt hatte. Der Tisch war ihr Lieblinsplatz, wenn es darum ging, Probleme zu lösen. Von oben sahen selbst die Staubmäuse harmlos aus.

Im Wohnzimmer auf der Decke vorm Fernseher war kein Paul. Dafür stand die Wohnungstür einen Spalt breit auf. Eine leichte Panik befiel Monika. Normalerweise hätte sie jetzt wieder an den Nägeln gekaut. Nur gab es da nichts mehr zu kauen. Fluchend stürmte sie aus der Wohnung.

Ein Windstoß ließ die Tür ins Schloss fallen, wovon der unterm Küchentisch schlafende Paul wach wurde. Aufgeregt kläffend lief er durch die Wohnung und suchte sein Frauchen. Das stand vor der Tür des Nachbarn und klingelte. Bestimmt würde er ihr wieder helfen.

Nach einer halben Stunde, die Monika mit warten, starren auf die Fingernägel und weiterem Klingel verbracht hatte, fiel ihr ein, dass der Nachbar Anfang der Woche in den Urlaub geflogen war. Acht Wochen Amerika. Monika hatte ihm sogar noch versprochen, seine Blumen zu gießen. Die werden wohl jetzt warten müssen, dachte Monika.

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