Sozialromantik

Bekanntlich führen alle Leistungen des Sozialstaates direkt in den Sozialismus – zumindest meint FDP-Parteichef und noch Außenminister Guido Westerwelle dies. Kürzlich bezeichnete er auch die Steuervorteile für Hotels auf Kosten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als spätrömische Dekadenz. Stop. Halt. Das ist nicht ganz richtig, für Westerwelle ist es spätrömische Dekadenz, wenn der Staat Leistungsempfängern ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.

Wie leicht kann man sich doch vertun, wenn man etwas bewandert ist in der Geschichte, denn eigentlich meint der Begriff „spätrömische Dekadenz” ja die zügellosen Ausschweifungen der Eliten und die Ausplünderung des einfachen Volkes. Der jeder Sozialromantik unverdächtige Westerwelle beweist somit, dass seine schulischen Leistungen nicht nur in Englisch eher bescheiden waren, sondern auch, dass Geschichte nicht zu seinen Lieblingsfächern gehörte.

Sicher, die Umfragewerte der FDP gehen derzeit in den Keller. Aber ist es wirklich nötig, sich mit Polemik auf Kosten der Ärmsten wieder in Erinnerung zu rufen? Es kann gut sein, das der FDP-Parteivorsitzende diesmal einen Schritt zu weit gegangen ist. Natürlich ist er aufgefallen und hat ein riesiges Presseecho erzeugt. Dieses negative Echo fällt aber wieder auf ihn zurück und wird ihm mit Sicherheit nicht zum Vorteil gereichen.

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