Autoren in Käfighaltung

Autoren in Käfighaltung

Die Deutschen essen immer mehr Eier. So viel ist es geworden, dass die hierzlande produzierten Eier nicht mehr ausreichen zumal seit Anfang des Jahres die konventionelle Käfighaltung untersagt ist.

Das es dennoch in den Supermärkten zu keiner Verknappung gekommen ist, liegt an der Importware. Die stammt allerdings nicht unbedingt von glücklichen Hühnern. Ersparen wir uns aber an dieser Stelle lieber die Details und halten einfach fest, dass in Deutschland die Eier theoretisch knapp geworden sind.

Ein Beleg dafür lieferte heute morgen die Süddeutsche Zeitung. Im Feuilleton waren acht Stimmen von Kritikern aufgeführt, welche die junge Künstlerin (Autorin ist mittlerweile ein unpassender Begriff) Helene Hegemann über den grünen Klee gelobt hatten.

Nach dem jetzt bekannt wurde, dass weite Teile des Buches nur ein Plagiat sind, ändert keiner dieser Acht seine Einschätzung. Warum auch, denn ein Kritiker, der selbstkritisch ist, wäre auch zu kurios.

Andersherum könnte man auch sagen, dass den Kritikern die Eier fehlen, um Tacheles zu reden. Um klipp und klar deutlich zu machen, was man von Copy & Paste hält: nichts.

Um es in der vermeintlichen Sprache von Hegemann zu sagen: ich als Autor würde mich in den Arsch gefickt fühlen, wenn jemand anders sich an meinem geistigen Eigentum bedienen würde, und damit nicht nur durchkommt, sondern auch noch für einen Buchpreis nominiert wird.

Für mich persönlich ist das keine theoretische Diskussion. Als Blogger, der seit über sechs Jahren seine Texte veröffentlicht, als Buchautor und Verfasser von Artikel für Fachzeitschriften lehne ich das Verhalten von Helene Hegemann entschieden ab. Es lässt sich weder mit einer allgemein geänderten Haltung zum Urheberrecht im Netz noch mit fehlender Reife entschuldigen. Bereits als Grundschüler habe ich gelernt, dass abschreiben Unrecht ist. Wie man richtig zitiert, wurde uns Schülern später beigebracht – ebenso, dass ein eigenes Werk nicht nur aus Zitaten bestehen kann und darf.

Das Buch von Hegemann ist Maklatur, mehr nicht.

2 Replies to “Autoren in Käfighaltung”

  1. Da gebe ich Dir vollkommen recht. Diese so genannten Literaturkritiker machen Copy & Paste, also den Diebstahl geistigen Eigentums, mit Ihrer verkackten Einstellung erst richtig salonfähig. Möchte gerne wissen wie die reagieren, wenn ich deren Content, als meinen ausgebe. Da habe ich doch sicherlich den Anwalt auf der Matte.

    Wie heißt es so schön: Dummheit schützt vor Strafe nicht. Hegemann sollte statt Bücher zu schreiben, erstmal Bücher lesen. Sie schafft sich damit einen geistigen Horizont, den ich bisher an ihr vermisse.

  2. Ich hab‘ das Buch nicht gelesen, werde auch ‚diesen Teppich‘ nicht kaufen, weil Medien dazu anregen. Wenn sie nur abschreiben kann, wird es eh‘ bei dem einen Buch bleiben.

    Und Kritiker: Wenn der eine sich äussert, muss der andere zwangsläufig auch – … schreibt wahrscheinlich vom anderen ab, damit er sich nicht wirklich damit beschäftigen muss (oder haben die wohl alle das Buch gelesen?);-)))

    Juristisch kann man nichts machen, also lassen wir die Eintagsfliege an uns vorbei fliegen;-))

    Wir bestimmen schliesslich, was wir uns (durch Medien) aufdrängen lassen. …na ja, ich war gerade etwas am Träumen;-))

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren