Winterwahnsinn

Winterwahnsinn

Die Neue Westfälische hat genug. „Schnee, Eis, Kälte Jetzt reicht’s!” schreibt sie auf der Titelseite und räumt für den dazugehörigen Artikel einen großen Teil der ernsthaften Nachrichten auf der ersten Seite beiseite.

Vielleicht sollte man der NW mal ein Geheimnis verraten. Das Wetter hört auf niemanden. Schon gar nicht auf eine Lokalzeitung. Sicher mag es Menschen geben, die den Schnee satt haben. Wer aber auf den Kalender schaut, wird feststellen, dass wir immer noch Winter haben. Vielleicht sollte man sich damit abfinden.

Nicht abfinden dagegen sollten wir uns mit dem, was jetzt einige Politiker aus CDU und FDP fordern. Ging es nach dem Willen von Peter Weiß, immerhin Sozialpolitiker in der CDU, dann ließen sich die Regelsätze für Hartz IV Bezieher nach dem Urteil des Bundesverfassungsgericht sogar senken. Schließlich, so die Argumentation, sei nicht gesagt worden, dass dir aktuellen Sätze zu niedrig seien.

Manchmal kann es nicht lang genug schneien, um so viel Unverfrorenheit zu überdecken. Es wäre sicher gut, wenn sich bestimmte Politiker einfach mal mit den Betroffenen unterhalten würden. Würde der Bundestag einfach mal eine Gruppe von zufällig ausgewählten Betroffenen, sagen wir 50 bis 100, einladen und ihnen zuhören, mit ihnen diskutieren, sähen sozialpolitische Entscheidungen sicher anders aus.

6 Replies to “Winterwahnsinn”

  1. Das wird nicht reichen.
    Jeder Arbeitnehmer wird bei Verlust des Arbeitsplatzes nach NUR 1 Jahr!!! Hartz4-Anwärter.
    Schafft er es irgendwie, der Demut zu entgehen, indem er lieber trocken Brot (fr-)isst, fällt er sogar aus der Statistik.
    Da braucht’s keine ‚Armen-Anhörung‘, nach der man so ganz geschafft auf Staatskosten im nächsten Hotel sein Mittagessen einnimmt und froh ist, dass ‚man‘ nicht in der Lage ist – oder kommen würde: Womöglich, weil man ja intelligenter ist.

    Was 2005 geschaffen wurde war das Einstilen von Kapitalverlagerung.
    Wer will das denn tatsächlich von unseren bezahlten beauftragten ‚Menschen?‘ ändern?

  2. Ups, vergessen:
    Der Redakteur der WN macht das schon richtig;-))
    Schimpfe ich lieber auf das Wetter, vielleicht erhört mich ‚der liebe Gott‘.
    Die Chancen stehen jedenfalls besser.

  3. @Frollein: Ich bin mittlerweile der Meinung, dass Hartz IV komplett abgeschafft und durch ein bedingungsloses Grundeinkommen mit Härtefallregelung ersetzt werden sollte.

    Das Wetter nehme ich einfach so hin.

  4. Hhhm, gibt’s das nicht schon woanders – Aussies?
    Hast du da mal näher drüber nachgedacht, wie’s funktionieren könnte?
    Im Grunde ist die Meinung o.k., da die meisten wirklich nix dazu können, auch wenn es anders propagiert wird.
    Politisch würde sich eh‘ nichts ändern.., oder doch?
    Was meinst du mit Härtefälle?: Also Regelsatz
    runterschrauben bis Ultimo und dann gucken, wer mehr braucht?

  5. @Frollein: Zu den Härtefällen: Nein, nicht runterschrauben, sondern allgemein auf das Maß erhöhen, was für ein menschenwürdiges Leben reicht. Wie gesagt, ich bin der Meinung, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen der richtige Weg wäre. Mit den Härtefällen sind die Menschen gemeint, die auf Grund besondere Lebensumstände höhere finanzielle Aufwendungen haben, also zum Beispiel körperlich beeinträchtigte Menschen, denen die Hilfsmittel (wie Rollstuhl etc.) bezahlt werden.

  6. Das käme auf jeden Fall dem GG näher. Die Würde des Menschen sei unantastbar.
    Und da jeder Mensch ein Recht auf Arbeit hat, müssen die Voraussetzungen dazu geschaffen werden.
    Das ist der Job unserer Gewählten – in erster Linie.
    Oft dachte ich, das es schade ist, dass soviele Arbeitsplätze durch fortschreitende Technik weggefallen sind und hätte sie am liebsten rückgängig gemacht (unmöglich).
    Andererseits gäbe es genügend neu zu schaffende
    Berufsfelder, die eben dadurch geschaffen werden könnten. (In Richtung Gesundheit usw. gedacht).

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren