Die Angst fährt mit

Die Angst fährt mit

Beim ganzen Ärger über die Bahnpannen- und Unfällen in den letzten Tagen (OWL ist derzeit immer noch vom Bahnverkehr abgehängt, wie die Neue Westfälische schreibt) habe ich eine kleine Episode vom Montag Abend vergessen. Eigentlich sogar eher verdrängt.

Kurz vor dem Ersatz-IC nach Berlin fuhr der Zug nach Hamburg auf dem gleichen Gleis ein. Menschen stiegen aus und ein, dann fährt der Zug ab (in der Regel jedenfalls). Plötzlich drängte sich etwas vom Rand der Wahrnehmung ins Zentrum. Ein großer Koffer stand herrenlos auf dem Bahnsteig. Mitreisende schauten sich fragend an. Niemand hatte gesehen, wie der Koffer dorthin gekommen ist.

Minutenlang stand der Koffer so da. Unruhe kam auf. Der Koffer war so groß, dass bequem eine Propangasflasche hineingepasst hätte. Irgendwann kam dann einer der Reinigungskräfte und hat den Koffer weggebracht. Das ungute Gefühl blieb jedoch zurück, ebenso die Fragen im Kopf. Hätte man früher das Bahnpersonal informieren sollen? Was, wenn wirklich etwas gefährliches im Koffer drin war?

Egoistisch ging mir durch den Kopf, dass möglicherweise nichts außer Wäsche im Koffer gewesen ist. Wäre die Bahnpolizei informiert worden, hätte das trotzdem böse enden können. Räumung des Bahnhofs, Streckensperrung. Das volle Programm. Vermutlich wäre ich dann am Montag sehr spät zu Hause gewesen.

Was aber, wenn doch etwas anderes im Koffer gewesen ist? Dann hätte das Bedürfnis, pünktlich zu Hause zu sein Menschenleben gefährdet. Fest steht auf jeden Fall, dass die Angst mitfährt. Täglich.

2 Replies to “Die Angst fährt mit”

  1. Trotz Angst stemme ich mich für meinen Teil aber gegen die Abschaffung von Bürgerrechten. Und ganz ehrlich: Polizisten, die mit Maschinenpistolen im Anschlag am Bahnsteig patrouillieren, sorgen bei mir eher für mehr statt weniger Angst.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren