Null Euro Jobber

Null Euro Jobber

Wer bei 1-Euro Jobbern gedacht hat, dass man bei der Ausbeutung von Menschen in Deutschland nicht tiefer sinken kann, der kennt noch nicht die neuen Null Euro Jobber. Dabei ist das keine ehrenamtliche Tätigkeit, sondern ein knallharter Job als Einpacker an Supermarktkassen, wie die Süddeutsche Zeitung im Artikel Überall Verlierer schreibt.

Mir hat der Artikel die Sprache verschlagen. Besonders das Zitat von Martin Lettenmeier, dem Inhaber der Firma, die mit der Vermittlung der Null Euro Jobber Geld verdient:

Er möchte die berufliche Selbständigkeit in Deutschland fördern und den jungen Leuten vermitteln, „dass jeder selbst für sein Glück verantwortlich ist“.
Quell: SZ

Das Finanzamt dürfte sich bestimmt auch für die Selbständigen interessieren, die durch das Trinkgeld „Einkünfte” erzielen. Um das zu vermeiden, muss jeder der Null Euro Jobber abends seine Einkünfte offenlegen, damit verhindert werden, dass er sozialversicherungspflichtig wird. Auf welche Weise das geschieht, darüber schweigt sich der Artikel leider aus.

5 Replies to “Null Euro Jobber”

  1. Die Weise scheint so zu sein, dass alles über der SV-Grenze abgegeben (gespendet;-)) ) wird, um sich eine ‚bessere‘ Schicht zu verschaffen.
    Ganz legal – na ja, mit 2 Juristen an der Seite eines Theologen…
    Sittenwidrig ist das Ganze auch nicht, da die Schüler es freiwillig machen.
    Modern legitmierte Sklaverei würde ich das andernfalls nennen. Aber die gibt’s in anderen Fällen schon real.

    Ein schlaues Finanzbürschchen, der eigene Werte (falls jemals vorhanden) über die Wupper schmiss; sich das für’s eigene Seelenwohl auch noch in die Watte verpackt, jeder sei seines Glück’s Schmied…

    Schade, zu was Menschen in Not (oder aus Gier) imstande sind!

  2. @tboley
    Da triffst du den Nagel auf den Kopf – derzeit für mich auch wiedermal brandaktuell und noch absurder denn je’…

    Wenn’s denn bei den Theologie-Absolventen bleiben könnte, ging’s ja noch. Wenn die aber tätig werden, hilft nur noch Beten.

  3. Hm, ich bin da etwas zwiegespalten. Einerseits finde ich es toll, den Jugendlichen einen Einblick in die Arbeitstätigkeiten zu geben, andererseits grenzt das ja an Ausbeutung, wenn dafür keine anderen Leute eingestellt werden, weil die „geförderten jungen Leute, die selbst für ihr Glück verantwortlich sind“ so „günstig“ beschäftigt werden können. Als ich als Minijobberin gearbeitet habe, hab ich mir genau durchgelesen, was meine Rechte sind, damit man mich nicht ausbeuten kann. Und siehe da, was ich vorher nie gedacht hätte: Die Urlaubsabgeltung Minijob gesteht sogar Minijobbern Urlaub zu! Man sollte sich also im Klaren sein, WAS man möchte, ob man das unter DIESEN Bedingungen möchte und ob manches evtl. NICHT RECHTENS ist. Mein Tipp: Immer vorher auf entsprechenden Webseiten oder bei Behörden informieren, bevor man sich im Nachhinein ärgert!

    Er möchte die berufliche Selbständigkeit in Deutschland fördern und den jungen Leuten vermitteln, “dass jeder selbst für sein Glück verantwortlich ist”.

  4. Oh je, wenn ich mir das nochmal durchlese, fällt mir glatt ein Fehler auf… Ich meinte natürlich: Selbst beim Minijob kann / muss eine Urlaubsabgeltung erfolgen, wenn man seinen Urlaub, AUF DEN MAN ANSPRUCH HAT, nicht nehmen kann!

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren