Rettet Mina!

Rettet Mina!

Per Volksentscheidung wurde in der Schweiz mehrheitlich entschieden, dass künftigt keine Minarette mehr gebaut werden dürfen.

Bevor man sich inhaltlich mit der Entscheidung auseinandersetzt, gilt es erstmal aufzuklären. Ein Minarette ist keine Moschee. Es ging also nicht darum, den Bau von Moscheen künftig zu verbieten, sondern nur um einen Turm. Nur um einen Turm? Wer sich eine christliche Kirche versucht vorzustellen, sieht vor seinem geistigen Auge vermutlich ein Gebilde mit einem Kirchtum. Einem Moslem wird es ähnlich gehen, wenn er sich sein Gotteshaus vorstellen soll. So ganz unbedeutend scheinen also weder Kirchturm noch Minarette zu sein. Das sollte einem klar sein, wenn man über das Verbot diskutiert.

Die Diskussion, die in der Schweiz zumindest ein vorläufiges Ende gefunden hat, steht und in Deutschland noch bevor. Auch bei uns scheint es eine Mehrheit zu geben, die weder Minarette noch Moscheen haben will. Nur am Rande sei angemerkt, dass über 60 Prozent der Schweizer-Deutschen gegen das Verbot von Minaretten bei der Volksabstimmung ausgesprochen haben.

Verengen wir das Blickfeld aber und ziehen uns vom Tellerrand zurück, betrachten einfach nur mal, was ein Minarette-Verbot in Deutschland bedeuten würde.

Hierzulande steht die Religionsfreiheit im Grundgesetz. Damit verbunden ist auch die freie Religionsausübung. Wer den Bau von Minaretten und Moscheen verbieten will, braucht daher gute Gründe. Der einzige zulässige wäre der, dass der Islam an sich verfassungsfeindlich ist und somit als Religion in Deutschland nicht tolerriert werden kann. Da das nicht der Fall ist, basiert die Diskussion lediglich auf Vorurteilen und einer Art Kulturnationalismus.

Die Folgen davon wiederstreben dem Gedanken der Integration und verhindern ein friedliches Nebeneinander unterschiedlicher Religionen – wobei man natürlich über die unterschiedlichen Weltanschauungen diskutieren kann und muss.

Wer den Bau von Minaretten und Moscheen verbietet, drängt die Gläubigen an den Rand. An den Rand der Gesellschaft und der Städte, wenn Glaubenshäuser in Industriegebieten gebaut werden müssen oder aber Gebetsräume nur in schäbigen Hinterhöfen möglich sind. Gerade das führt zur Isolierung. Wer seinen Glauben öffentlich ausleben und zeigen kann, integriert sich besser, weil er Akzeptanz erfährt.

Das Argument, dass schließlich in manchen islamischen Ländern auch keine christlichen Kirchen gebaut werden dürfen, ist nicht nur besonders schwach und lächerlich, sondern fällt auf den zurück, der es anführt. Nur weil anderswo Tolleranz missachtet wird, kann dies kein Maßstab sein, um selber auf Tolleranz zu verzichten.

7 Replies to “Rettet Mina!”

  1. Du hast im Grundsatz recht und ich stimme mit Dir darin überein. Man sollte aber dabei nicht die Fundamentalisten aus dem Auge verlieren, sowohl christliche als auch islamistische, die immer wieder einen Keil in das Miteinander treiben wollen.

    Hauptansatzpunkt dieser Kritik ist eben die Toleranz, die dem Islam offensichtlich immer noch so schwer fällt. Ich erinnere an Theo von Gogh und Ayaan Hirsi Ali (Muslima) oder die Mohammed-Karikaturen, die Morddrohung gegen Salman Rushdie etc.

    Fakt ist, dass sich der Islam öffnen und modernisieren muss. Wer sich mit dem Islam beschäftigt, wird feststellen, dass er keine Phase der Aufklärung durchlaufen hat, wie das übrige Europa und genau darin liegt das Hauptproblem.

    Ich sage immer, Toleranz fängt in den Köpfen der Menschen an. Wer also einen Sprung in der Schüssel hat, dem kann man ohnehin nicht mehr helfen.

    Meine Erfahrungen mit Moslems sind grundweg positiv, wobei wir auch gerne streiten und Meinungen austauschen. Das ist eben das schöne bei der Bahn, es ist eine Multikulti-Firma.

  2. @Oliver: Deine Kritik teile ich. Ich denke aber, dass es nicht den Islam gibt, genauso wenig wie es das Christentum gibt. Ich für meinen Teil möchte nicht in einen Topf mit evangelikalen Kreationisten geworfen werden.

  3. Nur am Rande möchte ich einwerfen, das zur erfolgreichen „Integration“ immer 2 seiten gehören. Leider bekleckern sich werde Deutsche noch Muslime/Islamisten dabei mit besonderem Ruhm.

    Das eigentliche Problem sind dich nicht die Minarette, sondern die bewusste Abschottung vieler islamischer/muslimer Gemeinden nicht nur von der Gesellschaft, sondern auch von unserem Wertesystem.

    Es gibt einige Positiv Beispiele, die ich jetzt nennen könnte, leider aber auch viele viele mehr Negativ Beispiele.

  4. zitat: „Wer seinen Glauben öffentlich ausleben und zeigen kann, integriert sich besser, weil er Akzeptanz erfährt.“
    in berlin dürfen sie und trotzdem wage ich zu behaupten, das dort eine integration nicht wirklich stattgefunden hat und immerhin sind sie schon in der 3. generation im lande. tut mir leid, aber solange im namen des islam frauen & männer gesteinigt werden, konvertiten mit dem tode bestraft werden, christen nicht in islamischen ländern per grundgesetz die möglichkeit gegeben wird, ihre religion zu leben und damit auch der bau von kirchen verankert ist…warum sollten wir…

  5. hallo andrej, dann mal hier ein zitat von SERAP ÇILELI, ein mutige türkische schriftstellerin zu fragen von toleranz/intoleranz: “Eure Toleranz wird uns muslimische Frauen noch umbringen. Dieses naive Toleranzverständnis von vielen politischen Sonntagsrednern schadet uns. Uns türkischen Frauen wäre viel Leid erspart geblieben, wenn man in Deutschland mehr über den Alltag von muslimischen Frauen geredet hätte.”
    mehr zu lesen hier: http://serap-cileli.de/PB_PM_2006_2.htm

    gruss der blOgwaRt

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren