Vergessene Senioren

Vergessene Senioren

Heute Morgen, meine Schale Tee in den Händen und die Zeitung vorsortiert (Werbung und Sport direkt zum Altpapier). Dann, beim aufschlagen der NW Bielefeld stockte mir der Atem.

Schwere Vorwürfe gegen Altenheim

Eine 58 Jahre alte Frau war auf der Intensivstation eines Krankenhauses an den Folgen ihres Aufenthaltes im Karl-Pawlowski-Hauses verstorben. Im Altenheim hat sich wohl niemand, so der Tenor des Artikels, richtig im die Frau gekümmert. Zum Zeitpunkt, als sie auf die Intensivstation des Krankenhauses eingeliefert wurde, war sie völlig ausgetrocknet und hatte stark verschleimte Atemwege. Der Chefarzt der Klinik spricht in diesem Zusammenhang von den „Folgen schwerer Pflegemängel”.

Mich hat das auch deshalb so betroffen gemacht, weil es mich wieder an meinen Eindruck erinnert hat, dass es mit den Altenheimen in Bielefeld nicht zum Besten steht. Erleben kann ich das ja täglich in der eigenen Nachbarschaft, wo selbst Hinweise an die Pflegeleitung nicht beachtet werden – noch immer sind in der Nacht Schreie von Menschen zu hören, um die sich anscheinend keiner kümmert.

Vielleicht wacht ja jetzt, nach dem Tod der Frau jemand bei der Zeitung auf und recherchiert mal über den Zustand der Altenheime in Bielefeld. Schaut sich Pflegeschlüssel sowie Betreuungssätze an und spricht mit Bewohnern und Personal.

Ich für meinen Teil werde das Thema jetzt politisch angehen und bei der nächsten Ortsvereinssitzung auf den Tisch bringen. Es wird Zeit, den Menschen eine Stimme zu geben, die abgeschoben und vergessen worden sind.

7 Replies to “Vergessene Senioren”

  1. Finde das auch extrem beängstigend, weil auch in meiner Familie jemand in einem Altenheim lebt (allerdings nicht in Bielefeld).

    Klasse finde ich allerdings, dass es Menschen wie dich gibt, die sich für Dinge einsetzen, die sie nicht direkt selbst betreffen. Zu viele Menschen schauen, das zeigen gerade die Tage vor der Bundestagswahl, allein auf ihre eigenen Interessen. Gewählt wird nach persönlichem Vorteil, demonstriert wird für persönliche Belange, Ungerechtigkeit empfindet man nur dann, wenn man selbst betroffen ist.
    Respekt vor deinem Einsatz!

  2. Gut, dass du das Thema aufgreifst.
    Wenn aber in der eigenen Nachbarschaft sogar Schreie zu hören sind … bist du dann mal hingegangen? Politisches Angehen ist dringend
    notwendig, eigene Verantwortung auch.
    Davon würde ich bei dir wohl ausgehen…

    Liebe Grüsse.

  3. @Frollein: Ja, wir waren schon mal da – zumindest bis zum Empfang sind wir gekommen. „Wir kümmern uns drum“, hieß es. Ofensichtlich wurde sich nicht gekümmert. Daher denke ich, dass man es eben auf der politischen Ebene versuchen muss, Druck aufzubauen, da mit sich die Zustände ändern.

  4. Richtig so. Nur traurig, dass es erst ein Menschenleben kosten musste, bevor diese Schlafmützen aufwachen. Politischer Druck ist wohl das Einzige, was die Verantwortlichen dort verstehen. Respekt und immer schön hartnäckig bleiben.

  5. Das Problem mit den Altenheimen ist, dass es soziale Einrichtungen sind, die keinen Gewinn bringen. In unserer Leistungsgesellschaft ist niemand mehr bereit sich nur aus Nächstenliebe und Verpflichtung für seine Angehörigen zu sorgen wie es früher der Fall war. Auch die Kinderlosigkeit mag dazu führen dass es in 30 Jahren viele alte Menschen gibt, aber niemand der sich darum kümmert…

  6. Hallo, erstmal möchte ich dir Recht geben, der Artikel hat mich sehr geschockt. Das es in Altenheimen so zur Sache geht habe ich schon oft gehört und kann auch verstehen warum viele Senioren sich davor streuben in so eine Einrichtung zu ziehen.
    Am meisten hat mich geschockt das du geschrieben hast, das man die schreie Nacht für Nacht hören kann, diese armen Menschen und sich verteiligen können sie ja nicht mehr.
    Ich habe mit meiner Mutter auch darüber geredet und sie hat gesagt sie würde in ein Altersheim gehen um mir nicht zur Last zu fallen!!! Ich habe gesagt wenn sie das macht werde ich überall im Zimmer Kameras verstecken die auch nur die kleinste Regung aufnehmen.
    Gruß Ute

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren