Koalitionsaussagen

„Mensch, mit der würde ich garantiert nicht ins Bett gehen”, hieß es früher unter Jungs auf dem Schulhof. In den meisten Fällen durchkreuzte dann ein Testosteronschub solche Aussagen – oder eben eine Form der „Torschlusspanik”.

Von der FDP ist bekannt, dass sie keine Jungfrau mehr ist. Mit beiden Volksparteien ist sie schon uns Bett gestiegen – was man halt so macht, wenn man gerne mit den großen Jungs mitregieren möchte.

Am vergangenen Wochenende hat die FDP nun eine Koalitionsaussage getroffen. Ganz monogam möchte sie ausschließlich mit der CDU. Verwunderlich, dass die Partei für diese Aussage so viel Zeit gebraucht hat und sich erst eine Woche vor der Bundestag äußert. Es wird wohl daran liegen, dass die Liberalen nicht so gut lesen können und dabei sehr langsam sind. Sonst hätten sie schon früher sagen können, dass die „Programme von SPD und Grünen zu mehr Belastungen der Bürger führen” und deshalb eine Zusammenarbeit der FDP mit diesen Parteien nicht möglich sei.

Das kann man an dieser Stelle allerdings nicht so stehen lassen, denn umgekehrt führt die Politik der FDP zwar zu einer Entlastung der Bürger – allerdings nur, wenn es gut verdienende Bürger sind. Der Rest muss sehen, wie er ohne Aussicht auf Mindestlohn über die Runden kommt. Von der FDP weiß man ja, dass sie in Bezug auf Steuergeschenke und Atomenergie das Bezahlen der Rechnung gerne künftigen Generationen überlässt.

Abgesehen davon, dass der Wähler mitlerweile gelernt hat, dass Wettervorhersagen verlässlicher als Koalitionsaussagen sind und die Haltung der FDP sich nach dem kommenden Sonntag ähnlich wie der Wind drehen könnte, bugsiert sich die Partei ohne Not in eine Sackgasse. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es wie beim letzten Mal wieder nicht reicht für schwarz-gelb. Der arme Herr Westerwelle wird diesmal dann sicherlich nicht bitterlich weinen, sondern sondieren. Eine weitere Legislaturperiode in der Oposition würde mit Sicherheit die Frage aufwerfen, ob die FDP noch den richtigen Vorsitzenden hat.

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