Mutlos tot

Mutlos tot

Als am Wochenende Dominik Brunner im Alter von 50 Jahren erschlagen wurde, habe ich geschwiegen. Mir gingen nach den ersten Meldungen über den brutalen Mord sehr viele Dinge gleichzeitig durch den Kopf. Wer selber schon mal mit Gewaltsituationen konfrontiert war, kennt wahrscheinlich das lähmende Echo der Angst.

Um über den Vorfall schreiben zu können, musste ich selber erstmal wieder Abstand ereichen, da ich aus eigener Erfahrung weiß, welche Konsequenzen Zivilcourage für einen selber haben kann. Sehr schnell wird aus dem Helfer das nächste Opfer.

Schauen wir uns an, was die Tat der beiden Jugendlichen am vergangenen Samstag ausgelöst hat. Von Teilen der Bevölkerung wird eine Verschärfung des Strafrechts gefordert – als ob das die Täter davon abgehalten hätte, mit mehr als 22 Schlägen und Tritten das Opfer auch dann noch zu traktieren, als es bereits auf dem Boden lag. Die Mehrzahl der Schläge und Tritte erfolgt, auch wenn das im Nachhinein als fast unerheblich erscheint, gegen den Kopf.

Gleichfalls wird auch noch betont, aus welchem Umfeld die Täter stammen. Für mich ist das nur ein Faktor unter vielen. Entscheidend ist meiner Meinung nach was ganz anderes. Ich bin fast täglich sehr viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Dabei erlebe ich vor allem immer wieder, wie stark die Bereitschaft meiner Mitmenschen ist, einfach wegzuschauen, egal wie brenzlig eine Situation ist.

Wer sich wie Herr Brunner schützend vor Kinder stellt, wer Jugendliche bitte, die Musik leiser zu machen oder einen Erwachsenen, dass Rauchverbot einzuhalten, riskiert viel: seine Gesundheit, sein Leben

Wer selber Opfer wird, wird das oftmals unter dem teilnahmslosen Blick der Mitreisenden. Es wäre daher mehr als an der Zeit, dagegen etwas zu unternehmen, den Mut der Mitmenschen und ihre Zivilcourage zu stärken. Ohne Zvilcourage sind wir schon tot, auch wenn wir noch lebendig erscheinen. An Mutlosigkeit stirbt eine Gesellschaft. Sie verwahrlost, geht zu Grunde.

3 Replies to “Mutlos tot”

  1. So ist es leider.
    Viel zu viele Leute sind zu feige, bzw. haben zu viel Angst, um sich dazu zu entschließen, anderen zu helfen. Und warum? Weil sie genau wissen, dass ihnen auch keiner helfen wird. Es ist ein perverser Teufelskreis.
    Das einzig Gute ist, dass man sich dagegenstemmen kann. Niemand muss feige sein. Man kann und muss seine Angst überwinden. Nur so kann man anderen Mut machen.

  2. @ el-flojo
    Ja, es ist ein perverser Teufelskreis! Du hast so recht, dass man sich dagegen stemmen muss und dass das auch andere ermutigen wird!
    Zu mehreren ist man einfach stärker und vielleicht kommt ein Zweifler dann doch zur Hilfe.

    Irgendjemand muss aber den Anfang machen.
    Gut, dass es noch solche Menschen gibt!!!

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren