Versuch eines TV-Duells

Versuch eines TV-Duells

Im Zusammenhang mit dem gestrigen sogenannten TV-Duell von Spannung zu sprechen, ist sicher fehl am Platz. Die Wohl beste Bezeichnung für das, was geboten wurde, hatte Maybrit Illner schon zu Beginn auf den Punkt gebracht: „Ehen vor Gericht“.

Recht gut parallel zur Sendung ließ sich die Diskussion via Twitter verfolgen – auch wenn man manchmal den Eindruck bekam, so einige andere würden eine ganz andere Sendung sehen. In der Regel brachte dann aber ein Klick auf die Kurzbiographie Erleuchtung, aus welchem politischen Lager das Vögelchen zwitscherte.

Von einigen positiven Ausruterschern abgesehen, hatte man bei den Moderatoren – Peter Kloeppel (RTL), Maybrit Illner (ZDF), Peter Limbourg (Sat1) und Frank Plasberg (ARD) – den Eindruck, einen pöbelnden Mob vor sich zu haben. Die beiden Kandidaten stritten daher eher mit ihnen als mit dem politischen Gegner.

Werfen wir aber noch mal einen Blick auf die beiden Großkoalitionäre. Merkel versuchte sich gelassen zu geben, was ihr aber nicht mal ansatzweise gelang. Sie rutschte nach dem ersten Drittel der Sendung in eine eher leiernde Vertonung und einer Mimik ab, die von ihrem politischen Ziehvater Helmut Kohl hätte stammen können.

Steinmeier hatte zunächst Anlaufschwierigkeiten. Er wirkte völlig unentspannt. Diese Verkrampfung lockerte sich aber zusehends und das Publikum bekam einen Kanzlerkandidaten zu Gesicht, der nicht nur kenntnisreich argumentieren konnte, sondern auch noch Anflüge von Ironie zeigte.

Die beiden Schlussplädoyers brachten abschließend noch mal auf den Punkt, wofür Merkel und Steinmeier stehen. Während die Kanzlerin unbewusst für eine Weiterführung der großen Koalition warb, konnte Steinmeier die Menschen mitnehmen und für ein Deutschland mit deutlicher sozialdemokratischer Prägung überzeugen.

5 Replies to “Versuch eines TV-Duells”

  1. Das sehe ich auch so. Auch wenn in der Nachbesprechung von einem Patt die Rede war, bleibt für mich Steinmeier der klare Favorit. Kohls kleiner Diamant litt an Glaskorrosion und wirkte stumpf und glanzlos.

  2. Hallo alle zusammen,

    es scheint, als sei ich hier in einen SPD-Block geraten?
    Also, ich hatte einen ganz anderen Eindruck (wird sogleich beschrieben) von der Sendung.
    Zunächst haben die Medien aus meiner Sicht sich ziemlich blamiert. Auch die Illner ist nun für mich unten durch – Man guckt den Leuten eben nur vor den Kopf, solange bis sie ‚in die Enge‘, in diesem Fall der Chance der eigenen Profilierung begegnen.
    Es waren nur 2 kurze Augenblicke. Der erste, indem sie Merkel wieder das Wort abschnitt und noch eins auf die verkappten Kollegenversuche der Anstachelung draufsetzen wollte; der zweite als sie (war nur gaaanz kurz zu sehen) ehrwürdig anbetend zu ihrem Kollegen aufschaute, um für sich neuen Stoff zu finden.
    Richtig zum Anwidern!

    Vorgestern schrieb ich irgendwo: „Morgen fernsehfreier Sonntag.“
    Soeben erreichte mich ein Telegramm der dpa (die perfekten aBC-Schützlinge).
    Hier der Inhalt:
    ‚Am 13.09. TV-frei stop.
    Komödie um 20.30h gerichtlich wegen AGG verboten stop.
    Alternative bereits heute auf SAT1 um 20.15h gesendet Stop.
    Ausreichende Informationen der Beherrschung der Weltwirtschaftskrise daher eingestilt Stop.
    Für alle Wähler im Sinne der AGG durch Fabel erfüllt Stop.
    Keine anteilige Erstattung GEZ deshalb notwendig Stop.
    Mangelnde Einschaltquoten SAT1 um 17.05h vertretbar.
    Folgebeitrag, wenn verfeinert frühestens in 2 Monaten Stop.‘
    _____________________
    Gestern, kurz nach der Sendung waren meine Gedanken zum: ‚Duett‘;-)):

    Leider fand die Sendung doch statt. Der Hintergrund war wohl mal wieder Geld – diesmal für die Medien…
    Ich glaub‘, nichtmal zum Jahreswechsel werden die Minuten und Sekunden über 15 Minuten runtergezählt??
    Merkel und Steinmeier verhielten sich wirklich als ‚altes Ehepaar‘ (die Unterschiede bestehen derzeit eh‘ nur in Nuancen) der grossen Koaliation der letzten Wahlperioden.
    ABER:
    Genauso würde ich mir meine politischen Vertreter wünschen, wenn sie dann auch NOCH meine Interessen vertreten würden…
    Hätte ich zwischen CDU, SPD und Medien zu wählen, wäre die letztere schon eingangs raus!!!
    Ganz dumm (nach dem alten Vorurteilen: Wo greift man eine Frau am besten an) wurde Merkel angemacht. Eingangssatz: Sie dürfen ohne Rücksicht sprechen – AHA (sie ist die Bundeskanzlerin).
    Das soll hier kein Duett werden, sonder ein Duell… (wenn die Ö-Sender das so nötig haben, dann sollten sie sich VORHER Gedanken darüber machen).
    Dann wurde sie dauernd unterbrochen, zweiter plöder Versuch. Dann noch ein echter Zickenversuch durch Illner: Sollen die 90 Minuten nur (Hä??) Erklärungen statt Duell geben?
    Insgesamt war’s ein Duett;-))) Finde ich auch gut. Sehr gut sogar – Punkt und doppelt unterstrichen.
    Das hat die ganze Übertölpelungs-Sendung zu der (Medien) -Komödie gemacht, die man so nicht! erwartet hätte;-))
    Leider werden nur die Einschaltquoten zählen – aber Gott sei Dank gab’s keine Verlängerung;-)))
    Sehr klug, was ich auch von meinen Vertretern erwarte, wurde erst zum Schluss in kurzer Beschreibung herausgelassen, was eigentlich zum Hahnenkampf führen sollte:
    Merkel will die CDU/CSU und eine Koaliation mit der FDP. Steinmeier traut sie nicht mehr seit Ypsilanti.
    Steinmeier hielt sich aufgrund der schlechten Wahlen bedeckt und sprach noch ein paar Parolen, die garnicht gegen die bisherige Koaltion sprachen.
    Insgesamt also das alte zufriedene Ehepaar, das gefragt wird, ob ‚es nicht doch vielleicht‘ auch Ungereimtheiten in ihrem Leben gegeben haben könnte.
    Unfair war allerdings, dass über FDP und Links geredet wurde, ohne das die sich äussern konnten.
    Na ja: Demokratisch eben, liebe Medien – nicht wahr?
    Bildet euch auf die Einschaltquoten nichts ein! Das war ein echter Flop, bezahlt durch GEZ-Zahler!!!
    Welch‘ Arroganz…

  3. @Froillein: Wow, dein Kommentar ist ja länger als mein Blogeintrag :-)

    Zur einleitenden Frage: Nein, es ist kein SPD-Blog hier. Ich bin zwar mittlerweile wie SPD-Mitglied, aber aber das Parteibuch nicht gegen mein Gehirn getauscht. Du findest hier im Blog durchaus sehr kritische Beiträge zum Thema SPD und ihre Politik.

    Deiner Einschätzung zu dem, was die vier „Journalisten“ da geboten haben, kann ich nur zustimmen. Für meine Gebühren hätte ich auch deutlich mehr erwartet.

  4. @tboley: Musste ich ja auch nur kopieren;)- war mir wichtig. Aber versprochen, soonen langen Beitrag schreibe ich nicht mehr (glaub‘ ich).

    Na dann ist es ja gut vonwegen reiner SPD-Orientierung, es hörte sich etwas so an.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren