Wahlgewissen

Vergessen wir für einen kurzen Moment mal auf eine bestimmte Partei zu schielen. Mit Sicherheit sind die skizzierten Szenarien auch auf andere übertragbar und sorgen auch da für einen Gewissenskonflikt.

Nehmen wir mal an, jemand ist nicht nur Wähler der Grünen, sondern ordentliches Mitglied der Partei. Bei der Kommunalwahl tritt aus den eigenen Parteien auch jemand für das Amt des Bürgermeisters bzw. der Oberbürgermeisterin an. Unser Wähler weiß, das der Kandidat realistisch betrachtet nicht nur keine Chance hat, sondern auch verhindert, dass der Kandidat der SPD gewinnt. Im Ergebnis würde dann ein Kandidat der CDU das Rennen machen. Was zählt jetzt mehr, die Parteizugehörigkeit oder aber die strategische Überlegung, zwar einen Günen Ratskandidaten, aber dann eben den SPD-Kandidaten für das Amt zu wählen, um eine konservative Mehrheit zu verhindern?

Anderer Fall. Nehmen wir an, es stünde eine Bundestagswahl an, bei der in einem Wahlkreis ein Kandiat der SPD antritt, der einem nicht nur nicht liegt, sondern dessen politische Positionen man nicht teilt – soll man ihm seine Erststimme geben oder lieber den Kanidaten der Grünen wählen, dem man inhaltlich näher steht? Ist es verantwortbar, die Erststimme den Grünen und nur die Zweitstimme der eigenen Partei, der SPD zu geben?

Letztendlich ist es in beiden Fällen eine geheime, freie Wahl. Interessant ist aber, ob man seinem Gewissen oder der Parteidisziplin folgt. Würde jeder innerhalb einer Partei nur nach seinem Gewissen handeln, würden Mehrheitsentscheidungen der Boden unter den Füßen weggezogen. Parteien leben vom Konsens. Auf der anderen Seite steht jedoch die Frage im Raum, wie sich das Gesicht unseres Staates verändern würde, wenn wir immer nur der Mehrheitsentscheidung folgen würden.

Als Christ wird einem klar, warum es ein Kreuz ist, das man auf dem Wahlzettel macht. Es ist dieses Kreuz, dass man in der darauf folgenden Legislaturperiode zu tragen und zu verantworten hat.

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