Laufender Mann

Laufender Mann

Geburtstag hat er heute, der laufende Mann (engl. Walkman). Vor dreissig Jahren wurde er in die Öffentlichkeit gestoßen, die nicht immer mit offenen Ohren empfing.

Ein Testbericht aus der Zeit, den 1Live in den Archiven gefunden hat, bringt ernüchterndes zu Tage – vor allem, was den Kleidungsgeschmack so mancher Menschen angeht.

Ob der Walkman wirklich den kulturellen Untergang eingeläutet hat, sei dahingestellt. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass er verglichen mit den mobilen Geräten des akustischen Terrors von heute hoffnungslos veraltet wirkt.

Bei der BBC hat man ein mutiges Experiment gewagt und einen 13-jährigen von heute dazu überredet, seinen iPod gegen einen Walkman zu tauschen:

It took me three days to figure out that there was another side to the tape.

Zwar geben moderne MP3-Player des öfteren Anlass, sich in eine Zeit vor dem Walkman zurück zu wünschen, wo man nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln beschallt wurde, aber dem Vater aller mobilen Musikabspielgeräte wird wohl niemand eine Träne hinterher weinen.

6 Replies to “Laufender Mann”

  1. … zum letzten Satz:
    Doch, ich! – eine Begründung erspare ich mir aus Platzgründen, das würde das Blog sprengen ;)
    MfG
    JBJ

  2. Ich habe auch noch einen zu Hause, mit Autoreverse. Auf meinen iPod touch möchte ich allerdings nicht mehr verzichen, ist eben ein Multitalent. Ist aber schön, wenn man die Anfänge dieser Entwicklung mitgemacht hat.

  3. Nun, damals war das Lärmärgerniss nicht ganz so hoch, weil Musik damals auch noch mit Dynamikumfängen von mehr als 14 DB gemastered wurde. Da waren nur selten echte Pegelspitzen zu vermelden, die soviel Schalldruck erzeugen, dass der ganze ICE Wagen mithören kann. Heutzutage klebt der Pegel der meisten Produktionen leider 98% der Laufzeit an der 0Db Marke und somit ist maximaler Schalldruck garantiert. Auch die leiseste Stelle des aufgeführten Werkes presst sich am Ohr und Hörer des Konsumenten vorbei und beglückt Nachbarn und Passanten mit Zischeln und Rauschen. Das die Wellenformen solcher Aufnahmen eher einer Rechteckwelle gleichen, als Musik scheint indes niemanden ernsthaft zu stören.

    Kommen wir zurück zum Walkman. Der war, so find ich, irgendwie kultig in seiner Beschränktheit. Gelegentlich fühle ich mich von der Vielfalt und dem dauernden unmittelbaren Zugriff auf alles auch überfordert und wünsche mir ein bischen Langsamkeit zurück…

  4. @cozmic: Fachlich kann ich da weder mithalten, noch das Wasser reichen (wobei wohl bei diesem Wetter jeder etwas Abkühlung gebrauchen könnte ;-) Aber dem Wunsch nach mehr Langsamkeit schließe ich mich auf jeden Fall an.

  5. Hallo!

    Schöner Artikel über das 30 Jährige des Walkmans. Merkwürdig aber, dass der Junge nicht mit Kassetten klargekommen ist. In den Drogeriemärkten sieht man doch immer noch Regale voller Kinderhörspiel-Kassetten..

    Wir haben auch etwas darüber geschrieben mit Fokus auf die gesellschaftlichen (und technischen) Veränderungen, die der Walkman mit sich gebracht hat. Bei Interesse einfach mal auf unserem Blog vorbeischauen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren