Parallelwelten

Das SZ-Magazin vom vergangenen Freitag drehte sich ganz um das mögliche Ende der Zeitung, so wir sie kennen. Zumindest war das mein Eindruck. Eigentlich wollte ich dazu auch ein paar Sätze schreiben.

Beruflich viel im Netz unterwegs, schätze ich doch meine gute alte Tageszeit. Meiner Meinung nach gibt es den oft als Horrorszenario heraufbeschworenen Untergang der alten Medien so nicht. Vielmehr glaube ich an eine friedliche Koexistenz. Allerdings bin ich nicht nur auf Grund meines Alters kein Maßstab, denn ich gehöre auch zu den Menschen, die ab und an E-Mails ausdrucken.

Gut, aber ich wollte ja eigentlich was ganz anderes erzählen, aus aktuellem Anlass sozusagen. Stellen wir uns mal vor, jemand schreibt einen Leserbrief an eine Zeitung, der dann tatsächlich auch abgedruckt wird. Gut drei Jahre später ist ihm das aber so peinlich, dass er davon nichts mehr wissen will. Er bittet daher die Zeitung, seinen Brief nachträglich aus allen sich im Umlauf befindlichen Exemplaren zu entfernen. Absurd? Sicher.

Was aber, wenn es keine Zeitung ist, um die es geht, sondern ein Blog und der Leserbrief ein Kommentar? Hat jemand einen Anspruch darauf, dass ein Kommentar, den er selber vor drei Jahren verfasst hat, gelöscht werden muss, wenn er das will?

Ich denke nicht. Wer im Netz unterwegs ist, sollte sich mit Bedacht verhalten. Wenn ich Kommentare irgendwo hinterlasse, überlege ich mir das meist vorher. Hinterher sind mir dann nur gelegentliche Tippfehler peinlich. Zu meinem Wort aber stehe ich – auch nach Jahren.

Für mich ist es ein Teil meines digitalen Selbstverständnis, mich im Netz so zu verhalten, wie ich es auch offline tue. Das was ich schreibe, vertrete ich auch von Angesicht zu Angesicht. Dazu gehört für mich auch, mich nicht hinter Pseudonymen zu verstecken.

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