Mugabe in Bielefeld

Aus der gesamten Diskussion um die Verhaftung der No-Angels Sängerin Nadja Benaissa wollte ich mich raushalten – eigentlich. Das Vorgehen der deutschen AIDS-Hilfe, den Fall als Hexenjagd zu bezeichnen, fand ich schon maßlos übertrieben, aber ich wollte keinesfalls Öl ins Feuer gießen.

Statt Öl hat jetzt der Bielefelder Mediziner Dr. Wolfgang Stute Benzin ins Feuer gegossen und die Neue Westfälische hat dabei fleißig mitgeholfen, Kanister zu tragen – jedenfalls empfinde ich das so. Bisher war man ja gewohnt, von Menschen wie Simbabwes Diktator Mugabe zu hören, dass AIDS nicht gefährlich sei. Statt Kondome würde es reichen, wenn man sich nach dem Sex duschen würde.

In der NW von heute befand sich jedoch ein Beitrag, der nicht nur über dreiviertel der Seite ging, sondern auch noch die Überschrift trug „AIDS ist keine HIV-Erkrankung”. Im Interview durfte Dr. Stute seine These verbreiten, dass es HIV-Viren gar nicht gibt. AIDS sei, so Stute, keine HIV-Virus-Erkrankung, sondern eine Milieu-Erkrankung, hervorgerufen durch mangelnde Hygiene, schlechte Ernährung und Umweltgifte.

Beim lesen des Interviews entsteht nicht nur der Eindruck, dass teure Aufklärungskampagnen konterkariert und die Gefahren verharmlost werden, sondern es drängt sich auch die Frage auf, ob mit dem Abdruck des Interviews nicht gegen die journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen wurde.

Die merkwürdigen Thesen des Doktors waren flankiert von einen Foto der Sängerin und den Brief von Stute an sie, in der er bescheinigte, keine Schuld an der Infektionsübertragung zu haben, weil es diese in der Form nicht geben würde. Präsentiert wurde auch noch die URL selectione.de unter der es mehr Informationen geben solle, die aber tatsächlich nicht nur bei jedem Schulmediziner zu aufgestellten Nackenhaare führen dürfte.

In Anbetracht der Tatsache, welchen Sturm der Entrüstung die Äußerungen von Josef Ratzinger in seiner Funktion als Papst bei seiner jüngsten Afrika-Reise zum Thema AIDS ausgelöst haben, müsste eigentlich spätestens morgen ein Orkan über die Redaktion der Neuen Westfälischen fegen.

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