Rollende Disko

Rollende Disko

Früher, ganz am Anfang meines Studiums (also eigentlich ganz früher), flößte mir der ICE unheimlichen Respekt ein. Leisten konnte ich mir damals allenfalls eine Fahrt mit dem Inter Regio. Mit dem IC zu fahren war dann schon was sehr besonderes.

Vom ICE konnte ich nur träumen. Wenn du dir es leisten kannst, mit dem zu fahren, dann hast du es geschafft, sagte ich zu mir. Neidisch blickte ich auf die Reisenden, die in einen ICE einstiegen, während ich am Bahnsteig auf die Regionalbahn wartete.

Nicht nur die Zeiten ändern sich. Heute fahr ich nicht nur regelmässig, sondern fast täglich mit dem ICE. Der Glanz von früher ist allerdings vollständig verblasst – zumindest in den ICEs der 2. Generation. Wie es in der ersten Klasse aussieht, weiß ich zugegebenermaßen nicht. In der der zweiten Klasse jedenfalls sieht es wenig charmant aus. Verschlissene Armlehnen, zerfetzte Nackenkissen und ein versifter Teppichboden, auf dem die meisten Bauern wohl nicht mal Schweine halten würden. Jeder Regionalzug sieht dagegen sauberer und moderner aus.

Reisen? Gerade am Montag und Freitag gleicht der ICE eher einem vollgestopften Viehtransporter. Wenn man die letzte, polemische Bemerkung ignoriert, bleibt immer noch genügend übrig, um sich Gedanken über das Preis-Leistungsverhältnis bei der Bahn zu machen.

Zu den Dingen, die den Transport dann „besonders angenehm” machen, gehören Mitreisende mit ihren Lärmerzeugungseinheiten (MP3-Player und ähnliches Zeug), die den ICE in eine rollende Disko verwandeln. Immerhin, so sei abschließend noch positiv anzumerken, befindet man sich bei 200 Stundenkilometern in Deutschlands schnellster Disko.

One Reply to “Rollende Disko”

  1. Wie der Herr, so das Gescherr.
    Irgendwann, wenn Du und ich in Rente sind, bekommt auch der ICE 2 sein wohlverdientes Redesign. Bis dahin, Augen zu und durch.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren