Pflegelschule

Das Benehmen bestimmter Mitmenschen im ICE gibt nicht selten Anlass für Verwunderung. Wobei das sehr milde ausgedrückt ist. Eigentlich kann man oft nur mit dem Kopf schütteln. Seltenst ist es erforderlich, unmittelbar in den Nahkampf überzugehen.

Für den Fall, dass sich zwei Mitreisende um einen Platz zanken, habe ich mir eigentlich mühsam antrainiert,mich nicht einzumischen. Gestern Abend habe ich es dann doch getan, weil die Unverschämtheit enorm war.

Stellen wir uns folgendes Szenario vor: ein nicht besonders ausgelasteter ICE, in dem noch einige bahn.comfort Plätze frei waren. Von Bedeutung ist, dass sich diese innerhalb einer Sitzgruppe an einem Tisch befanden oder gegen die Fahrtrichtung zeigten. Neben mir, auf der anderen Seite vom Gang, saß eine etwa 50 Jahre alt Frau und war in ihre Arbeit am Notebook vertieft.

In Dortmund stieg dann eine weitere Frau im gleichen Alter hinzu, die ihren Koffer hinter sich her ziehend an den freien Plätzen vorbei ging und zielstrebig auf die Dame mit dem Notebook zusteuerte, um sie allen Ernstes zu fragen, ob sie denn eine bahn.comfort Karte hätte. Hatte sie nicht. Daher forderte die neu Zugestiegende sie auf, ihr doch den Platz zu überlassen (das Wort Bitte fiel in dem Zusammenhang nicht). In dem Moment platzte mir der Kragen – sprichwörtlich natürlich nur – und ich mischte mich, gegen meine Vorsätze verstossend, ein.

Die Argumentation der personifizierten Dreistigkeit war, dass sie nicht gerne gegen die Fahrtrichtung fahre und im übrigen lieber nicht an einen Tisch sitzen wolle. Die ehemalige Platzinhaberin hatte schon kapituliert und zog von dannen. Mir blieb dann nur noch ein Kopfschütteln und die Anmerkung darüber, dass das wohl nicht sehr nett gewesen sei, wobei mir die dreiste Damen auch noch zustimmte.

Epilog: Wie sich später herausstellte, hatte die Frau anscheinend eine Bahncard, aber noch keine gültige Fahrkarte. In so einem Fall sollte man eigentlich lieber kleine Brötchen backen.

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