Pflegelschule

Pflegelschule

Das Benehmen bestimmter Mitmenschen im ICE gibt nicht selten Anlass für Verwunderung. Wobei das sehr milde ausgedrückt ist. Eigentlich kann man oft nur mit dem Kopf schütteln. Seltenst ist es erforderlich, unmittelbar in den Nahkampf überzugehen.

Für den Fall, dass sich zwei Mitreisende um einen Platz zanken, habe ich mir eigentlich mühsam antrainiert,mich nicht einzumischen. Gestern Abend habe ich es dann doch getan, weil die Unverschämtheit enorm war.

Stellen wir uns folgendes Szenario vor: ein nicht besonders ausgelasteter ICE, in dem noch einige bahn.comfort Plätze frei waren. Von Bedeutung ist, dass sich diese innerhalb einer Sitzgruppe an einem Tisch befanden oder gegen die Fahrtrichtung zeigten. Neben mir, auf der anderen Seite vom Gang, saß eine etwa 50 Jahre alt Frau und war in ihre Arbeit am Notebook vertieft.

In Dortmund stieg dann eine weitere Frau im gleichen Alter hinzu, die ihren Koffer hinter sich her ziehend an den freien Plätzen vorbei ging und zielstrebig auf die Dame mit dem Notebook zusteuerte, um sie allen Ernstes zu fragen, ob sie denn eine bahn.comfort Karte hätte. Hatte sie nicht. Daher forderte die neu Zugestiegende sie auf, ihr doch den Platz zu überlassen (das Wort Bitte fiel in dem Zusammenhang nicht). In dem Moment platzte mir der Kragen – sprichwörtlich natürlich nur – und ich mischte mich, gegen meine Vorsätze verstossend, ein.

Die Argumentation der personifizierten Dreistigkeit war, dass sie nicht gerne gegen die Fahrtrichtung fahre und im übrigen lieber nicht an einen Tisch sitzen wolle. Die ehemalige Platzinhaberin hatte schon kapituliert und zog von dannen. Mir blieb dann nur noch ein Kopfschütteln und die Anmerkung darüber, dass das wohl nicht sehr nett gewesen sei, wobei mir die dreiste Damen auch noch zustimmte.

Epilog: Wie sich später herausstellte, hatte die Frau anscheinend eine Bahncard, aber noch keine gültige Fahrkarte. In so einem Fall sollte man eigentlich lieber kleine Brötchen backen.

3 Replies to “Pflegelschule”

  1. … jaja, Bahnfahren und Plätze…. immer ein Thema für sich…

    Mein Lieblingsereignis war folgendes:
    Zwei Leute, die sich lautstark um einen reservierten Platz stritten. Jeder von ihnen hatte genau DIESE Sitznummer reserviert – aber es dauerte zwanzig Minuten, bis ihnen aufging, dass sie BEIDE im falschen Waggon waren…
    Fazit: Der Wahn fährt Bahn!

    MfG
    JBJ

  2. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Leute mit Betreten des Bahnhofsgebäudes ihr Hirn ausschalten.

    @JBJ: Da musst Du Dir mal anhören, was Dir solche Typen als Lokführer an den Kopf werfen, wenn Du die auf so etwas hinweist. Vom inkompetenten Schwachkopf bis zum Arschloch habe ich mir schon anhören müssen.

    Na dann, Gute Reise!

  3. Genau solche Begebenheiten machen das Reisen mit der Bahn für mich jedes mal zu einem besonderen Erlebnis. Denn im Gegensatz zum Verfasser mische ich mich grundsätzlich und mit Wonne ein. Ich finde, das macht das Leben irgendwie etwas bunter…

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren